Full text : Der Weltmarkt 1913 und heute

110 Aufgaben der Konferenz
lange die Kolonien in ihren absoluten Zollskalen sich gerade gegen
den englischen Wettbewerb richten oder, wie wir es bei Australien
 sahen, durch Sonderbestimmungen den englischen Veredelungsverkehr
 belasten. Man weiß wohl auch zur. Genüge in England,
welch einseitiges Geschenk eine Präferenzierung englischer Kolonien
 auf dem Lebensmittelmarkte des Mutterlandes wäre, — da die
Dominions niemals durch gegenseitige Zollermäßigung ihre Industrie
 dem Wettbewerb Englands preisgeben würden. Andererseits
haben gerade die von uns gegebenen Ziffern über den Anteil der
englischen Ausfuhr am Gesamteinfuhrhandel der Länder gezeigt,
daß heute die Tendenzen einer Steigerung weit günstiger in Europa
erscheinen als anderwärts, England hätte also — als guter Kaufmann
 betrachtet — allen Grund, einer weiteren Verstärkung des Kolonialprotektionismus
 entgegenzutreten. Aber es fühlt sich durch
imperialistische Imponderabilien von dieser Wirtschaftslinie abgelenkt.
 Immerhin könnten die übrigen Staaten Europas endlich den
Grundsatz geltend machen, daß die kolonialen Präferentialzölle
längst aufgehört haben, mit den früheren Vorzugszöllen kolonialer
Gebiete vergleichbar zu sein und daß es vom Standpunkt der handelspolitischen
 Gerechtigkeit durchaus unangebracht ist, wenn England
 — wie im Handelsvertrag mit Deutschland — eine Meistbegünstigung
 für seine Dominien beansprucht, obschon diese den wichtigsten
 Wettbewerber auf ihren Märkten, England, präferenzieren
lürfen. Eine so durchlöcherte Meistbegünstigung ist in der Tat keine
mehr. Eine Weltwirtschaftskonferenz ist selbstverständlich auch
gleichzeitig das berufene Organ, die Valutazerrüttung der Welt zu
untersuchen und Vorschläge zur Behebung derselben an die währungsschwachen
 Länder zu machen.
Während leider von derartigen gemeinsamen Aktionen — trotz
des wiederholten Rufes nach einer internationalen Wirtschaftskonferenz
 — wenig zu spüren ist, haben die einzelnen Staaten auf einem
anderen Gebiete eine gemeinsame Regelung versucht, obschon diese
weit eher zu einer Erhöhung als zu einer Minderung der industriellen
Erzeugungskosten führen dürfte. Man ist bestrebt eine Internationalisierung
 des Achtstundentages auf Grund des Washingtoner Abkommens
 und der Bemühungen des internationalen Gewerkschaftsbundes
 herbeizuführen. Wir haben zur Frage des Achtstundentages
            
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