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Dies ist natürlich wiederum in verschiedenen Gewerbsbranchen sehr
ungleich. Wo jene Schwankungen mit Regelmässigkeit wiederkehren,
wie bei den sogenannten Saisonarbeitern, ist die Ausgleichung durch
entsprechend höheren Lohn schon mehr bewirkt, als im Maschinenbau,
in der Textilindustrie u. dergl. Bei Maurern und Zimmerleuten, Kon-
fektions- und sonstigen Modearbeitern haben sich Arbeitgeber und
Arbeitnehmer in höherem Masse auf dieselben eingerichtet, aber auch
auf ganz anderen Gebieten sehen wir wenigstens in einer Anzahl
Unternehmungen, dass in richtiger Erkenntnis der Aufgaben und, der
wo nicht wirtschaftlichen so doch sozialen Rücksichten Unternehmer
den Hauptstamm der Arbeiter das ganze Jahr hindurch gleichmässig
lohnen, auch dann, wenn eine gleichmässige Beschäftigung nicht möglich
war, Wir entsinnen uns, bei einem Besuch einer Kattundruckerei in
Elberfeld dies konstatiert zu haben, wo nur die Hälfte der Arbeiter
beschäftigt werden konnte, während die Gesamtheit der Arbeiter den
Durchschnittslohn weiter ausgezahlt erhielt, und dies eine Reihe von
Wochen hindurch geschah.
Nach dem Ausgeführten dürfte cs gerechtfertigt sein, eine genaue
Statistik laufend über die in den Unternehmungen beschäftigten
Arbeiter, sagen wir am Schlusse jedes Monats einzufordern, um eine
Uebersicht zu gewinnen, welche Zahl von Arbeitern beschäftigt wurde,
um daraus die Schwankungen ersehen zu können, und für jeden Arbeiter,
der nicht das ganze Jahr hindurch beschäftigt wurde, eine Extrazablung
in die Versicherungskasse zu verlangen. Damit würde ein Druck aus-
zeübt, eine mehr gleichmässige Beschäftigung durchzuführen, und wenn
durch die ausnahmsweise Heranziehung von mehr Kräften die Unter-
nehmer einen besonderen Gewinn haben, so wird es ihnen auch leicht
sein, davon eine Abgabe zu Gunsten der zu erwartenden Arbeitslosen
zu zahlen. Eine solche Massregel würde ausserdem darauf hinwirken,
dass sich verschiedene Unternehmungen verwandter Art vereinigen, um
ihre Arbeiter gegenseitig je nach Bedarf auszutauschen, wodurch gleich-
falls die gewünschte Ausgleichung zu crzielen wäre. Nach derselben
Richtung würde es günstig wirken, wenn die Unternehmungen für jeden
entlassenen Arbeiter an die Versicherungskasse eine Zahlung zu leisten
hätten. Doch schliesst dieses den Nachteil in sich, dass man dem
Arbeitgeber in dem Momente Lasten auferlegt, wo sie für ihn besonders
drückend sind, da seine Einnahmen sich vermindert haben. Das erstere
Verfahren wäre deshalb vorzuziehen.
Vielleicht führt dieses auch zu einer Verlängerung der Kontrakte
und der Kündigungsfrist, wodurch der Arbeiter mehr Beamtenstellung
erlangen würde, was nach den verschiedensten Richtungen günstig wirken
müsste, Freilich sträubten sich die Arbeiter bis jetzt selbst noch
dagegen. Wir erkennen durchaus an, dass in Deutschland noch eine
viel grössere Rücksicht auf die Arbeiterklasse in unserer Unternehmer-
welt vorliegt, als z. B. in England oder den Ver. Staaten von Nord-
amerika, wo die Schwankungen in der Zahl der beschäftigten Arbeiter
weit grösser sind, die Entlassung weit rücksichtsloser stattfindet. Dafür
ist dort der Lohn weit höher. Aber auch bei uns greift dieses mehr
und mehr um sich, und es dürfte richtig sein, dem energisch entgegen-
zuwirken.