fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Dichtung. 
Fortentwicklung des modernen Idealismus aus dem bloßen 
Stimmungsgehalt in festere, allgemein stoffliche Motive bald 
als ein Bedürfnis der Zeit, dessen tiefere Begründung sich 
später aus der Geschichte der Weltanschauung ergeben wird: 
man schrie nicht mehr bloß nach subjektiver Wahrheit und 
Schönheit, sondern nach objektiven Werten, nach Sittlichkeit 
und nach Glauben. Wie aber sollte jetzt diese mehr objektive 
Stimmung, dies Fühlen nicht mehr, sondern vielmehr Gefühl 
in den stilistischen Formen der Stimmungslyrik zum Ausdruck 
zgelangen? Ein neues Problem der Form ergab sich, das noch 
keineswegs gelöst ist. 
Doch wir wollen nicht in die Zukunft schauen. Es wird 
Zeit, zurückzublicken und zu erzählen, wie der neue Idealismus 
sich im einzelnen Bahn brach. Und da sei denn zunächst noch ein— 
mal daran erinnert, daß im ganzen und großen die ersten Zeiten 
der neunziger Jahre den Umschwung brachten. Damals hörte 
eine Anzahl spezifischer Bewegungen des Naturalismus auf oder 
geriet in ruhigere, gleichsam geschäftsmäßigere Bahnen: so u. a. 
die von dem Naturalismus ins Werk gesetzte Reinigung der 
Sprache vom Fehler, vom Fremdwort und vom Poapierdeutsch: 
1885 war der „Allgemeine deutsche Sprachverein“ begründet 
worden, 1889 war Otto Schröders Buch „Vom papiernen Stil“ 
erschienen, 1891 folgten noch Wustmanns „Sprachdummheiten“. 
Damals schuf sich weiterhin künstlerische, ihrer Natur nach dem 
Idealen zugewandte Lebensfreude die Anfänge einer neuen 
Litteratur; 1890 erschien Langbehns „Rembrandt als Erzieher“ 
und erlebte in drei Jahren zweiundvierzig Auflagen, 1894 nahm 
der „Pan“ mehr für geschlossene Kreise und reichere Klassen, 
1895 die „Jugend“ für die große Öffentlichkeit die junge Be— 
vegung auf. Und diesen äußeren Veränderungen entsprachen 
innerliche. Alte Humoristen von hoher Kunst und eindring— 
licher Seelenmalerei, wie Hans Hoffmann, traten wieder mehr in 
den Vordergrund der litterarischen Bühne, und auch unter den 
Jungen schaffte sich der Humor, dieser so häufige Begleiter 
eines lebensfrohen Idealismus, und noch mehr ganz allgemein 
gesteigerte Lebensfreude Platz: Kretzers noch etwas ältlich ge—
	        
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