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nun wieder ein reger Schiffahrtsverkehr auf Grund einer Fracht-
taxe und Reiheordnung, und zwar nach Amsterdam. Für den Ver-
kehr war das gewiß ein großer Gewinn; er wurde aber beträchtlich
vermindert durch die hohen Lizenten, die nun die Niederländer
in Wesel erhoben und die einen rein schutzzöllnerischen Charakter
annahmen, da sie vorzüglich die Manufakturwaren Wesels (Bom-
basinen, Tripwerk, Kattune, Hüte) empfindlich trafen. Erst 1637
gelang es den vereinten Bemühungen der clevischen Städte und
Brandenburgs, im Haag die Abschaffung dieser Lizenten zu erreichen.
Neben der Amsterdamer Bört fuhr von Wesel auch
e1me Bört auf Arnhem und Nymwegen. Erst! 1653
wurde eine Bört auf der Waal nach Rotterdam eingerichtet;
sie litt aber unter dem Dordrechter Stapelrecht, das jedenfalls bei
der Talfahrt ein Ausladen in Dordrecht erforderlich machte. Eine
weitere Börtfahrt wurde 1648 von Leiden nach Wesel eingeführt,
die seit 1662 zu einer beiderseitigen Fährfahrt führte.
Nach dem Westfälischen Frieden glaubten die Niederländer die
Zeit gekommen, den fremden Schiffahrtsverkehr möglichst zu unter-
drücken. Das empfanden die Weseler vorläufig noch nicht; die Stadt
war bis 1672 in niederländischen Händen. Im Juni dieses Jahres er-
oberten die Franzosen sie und sperrten nun den Rhein. Damit
fiel die Aufgabe, den Rheinverkehr mit den Niederlanden, der im
beiderseitigen wirtschaftlichen Interesse lag, zu pflegen, den aufwärts
gelegenen Städten Duisburg und Düsseldorf zu; Wesel,
der direkten Unterstützung der Niederländer beraubt, verlor
seine zroße Stellunz in der Rheinschififahrt.
Die Niederländer aber bedurften für den Krieg mit Frankreich
und England dringend des deutschen Eisens und Stahls; man schaffte
es aus Duisburg nach Holland. Daraus entwickelte sich 1674 eine
regelmäßige Fahrt von Duisburg nach Nymwegen‘).
Von Düsseldorf aus entstand bald darauf ein Kon-
kurrenzunternehmen. Dieser Verkehr war zeitweilig
recht lebhaft und gewiß im niederländischen Interesse. Während
die Düsseldorfer Fahrt Anfang des 18. Jahrhunderts aufhörte, er-
hielt sich die Duisburger länger; doch litt sie an dem Mangel eines
ordentlichen Anschlusses von Nymwegen an den Seehafen Rotter-
dam; auch die Unterbrechung durch den Dordrechter Stapel war
a Vgl. Averdunk, S.5; auch für das Folgende.