Full text : Bankpolitik (2.1930)

Zwecken der Regulierung des Geldmarktes ausgegeben werden. Ihr Betrag war
ursprünglich 5900 Millionen fr. und ist durch die bisherigen Amortisationen auf
5300 Millionen verringert worden. Es ist beabsichtigt, sie in Mindestabschnitten von
100 000 Ir. zu placieren, und zwar zu einem Zinssatz von 31/4 bis 31/,6 %,. Im ganzen
sollen bis zu 2*/4 Milliarden fr. begeben werden.
Durch diese Transaktionen hofft die Bank von Frankreich, ihre Herrschaft
 auf dem Geldmarkt wiederherzustellen. Bei dem flüssigen Geldstand
 diskontieren die Banken allgemein unter dem offiziellen Banksatz,
und der Bank von Frankreich fließen keine Wechsel zu. Ende Januar 1930
betrug ihr Goldbestand 42,8, ihr Portefeuille nur 6,6 Milliarden fr.
Offene-Markt-Politik treiben auch die FederalReserve-Banken
in den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Frühjahr 1923 wurde ein
„open-market-investment committee“ gebildet, dessen Mitglieder
 vom Federal Reserve Board ernannt werden. In den Grundsätzen
heißt es: „Bei den Ankäufen am offenen Markt ist stets, wenn Regierungsschuldverschreibungen
 der Vereinigten Staaten, besonders die kurzfristigen,
 gekauft werden, auf die Auswirkung dieser Ankäufe auf dem Markt
für Schuldverschreibungen zu achten. Die Käufe am offenen Markt sollen
vorzugsweise Handelskredite darstellen, außer bei Staatsschuldverschreibungen,
 die, wie zurzeit, nur auf Grund der sog. Rückkaufsverträge gehandelt
 werden dürfen.“
Die. Wirkung der An- und Verkäufe von Staatsschuldverschreibungen
als bankpolitisches Instrument liegt in dem Einfluß auf die Verschuldung
der Mitgliedsbanken. Da Ankäufe es den Mitgliedsbanken ermöglichen,
ihre Kredite abzuzahlen, so wirken sie in der Richtung: Verbilligung des
Zinsfußes. Verkäufe veranlassen die Banken zu einer vermehrten Kreditnahme
 und wirken geldversteifend, Diese Transaktionen mit Staatsschuldverschreibungen
 ergänzen die Diskontpolitik !).
Durch den Diskontsatz bedingt und gleichzeitig meist mit ihm geändert
wird der Lombardsatz, der von den Notenbanken meist !/, oder 1°,
über dem Diskontsatz (mitunter auch noch höher) gehalten wird, da es
ihnen aus bankpolitischen Gründen richtiger erscheint, nur ‚einen kleineren
 Teil ihrer Gelder in Lombards anzulegen.
Die Diskontpolitik und die diskontpolitischen Hilfsmittel sind in den
einzelnen Ländern verschieden, Gemeinsam ist ihnen allen aber der
Zweck, den Goldbestand der Notenbank zu stärken und
ihre Liquiditätzuerhöhen.

1) S. R. Burgess, a. a. 0.5. 218 f.
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