Zwei Jahre später als in Hamburg war, nach Hamburger Muster, in
Nürnberg (1621) eine Bank errichtet worden, die ebenfalls den Handel
gegen die Unsicherheit im Münzwesen schützen wollte und sich ausschließlich
dem Depositen- und Girogeschäft widmete. Alle Zahlungen
für gekaufte Waren im Betrage von mehr als 200 und alle Wechselzahlungen
von mehr als 50 Gulden mußten durch die Bank, den Banco
Publico, gezahlt werden. Zuwiderhandlung wurde mit 10 9, Strafe belegt.
Die Gebühren für Ab- oder Zuschreibungen betrugen 1/29 %,, für
Juden das Doppelte. Die Bank, die einen weit engeren Wirkungskreis als
las Hamburger Institut gehabt hat, bestand bis 1827.
Die Zeit vom Anfang bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts bezeichnet
Poschinger als die Periode der Banküberschätzun g. Voll von
Lobeserhebungen waren die damaligen Kameralisten über die herrlichen
Wirkungen der Banken. „Ein Regent, welcher keine Bank in seinem Lande
zu errichten bemüht sei,“ schrieb z. B. 1761 von Justi, „verstehe seinen
und des Landes wahren Vorteil sehr wenig.“ Zahlreiche Bankprojekte
wurden ausgearbeitet, mehrere Banken entstanden: 1703 in Wien, 1706
in Köln, 1721 in Kassel, 1763 in Braunschweig, 1765 in Berlin und 1767
in München. Zu größerer Bedeutung gelangt ist von diesen Instituten
nur die 1765 in Berlin errichtete Kgl. Giro- und Lehnbank.
VL. Die Kgl. Giro- und Lehnbank in Berlin.
1. Die Zeit von 1765—1767.
Schon unter der Regierung Friedrich Wilhelms I. entstanden mehrere
Projekte zur Errichtung einer großen Bank in Preußen. An der Beschaffung
des Betriebsfonds scheiterte jedoch stets ihre Ausführung. Als
Friedrich der Große den Thron bestieg, wurde ihm u. a. auch ein Projekt
des Geh. Finanzrat und Münzmeister Graumann!) vorgelegt, das auf
eine kombinierte Giro- und Zettelbank abzielte und als Beilage eine kurze
Beschreibung der bereits bestehenden größten Banken Europas enthielt.
Die zu Rate gezogenen Kaufleute gaben zwar zu, daß die Banken in
Amsterdam und Hamburg den dortigen Handel erleichterten, in Berlin
aber, meinten sie, könne eine Bank keinen Nutzen schaffen, da hier keine
Gelegenheit zu großen Handelsgeschäften sei.
') S. Niebuhr, Geschichte der Königlichen Bank in Berlin. Von der Gründung
derselben bis zum Ende des Jahres 1845. Berlin 1848. S. 19.
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