Einleitung
Man pflegt die Bevölkerungslehre als die Wissenschaft von der
Bevölkerung im allgemeinen einzuteilen in: Bevölkerungsstatistik,
Bevölkerungstheorie und Bevölkerungspolitik.
Die Bevölkerungsstatistik hat es dabei in erster Linie
mit den Tatsachen der Bevölkerung in ihrer Gesamtheit zu tun.
Die Feststellung der Volkszahl und ihrer Entwicklung, der Aufbau,
die Siedelung und die Gliederung der Bevölkerung nach Alter, Ge-
schlecht, Familienstand und Beruf, der Gang der Bevölkerung, wie
er in Geburten, Sterbefällen, Eheschließungen und Wanderungen
zum Ausdruck kommt, bildet den Inhalt der Bevölkerungsstatistik.
Dabei geht jedoch ihre Aufgabe über die einfache Feststellung und
Beschreibung der Tatsachen und Erscheinungen hinaus. Denn es
gilt auch, namentlich durch entsprechende zahlenmäßige Kombination,
die inneren Beziehungen dieser Reihen aufzuzeigen und damit zu
ihrer Erklärung beizutragen. Aber schon die erfolgreiche Lösung
dieser Aufgabe der Bevölkerungsstatistik verlangt eine gewisse
Kenntnis der allgemeinen Zusammenhänge, die für den Gang und
den Aufbau der Bevölkerung maßgebend sind, also derjenigen Tat-
sachen und Erscheinungen, die recht eigentlich in das Gebiet der
Bevölkerungstheorie fallen, in dasjenige Gebiet, das im Mittelpunkt
der Bevölkerungslehre steht.
Man hat deshalb auch schon die Bevölkerungstheorie als Be-
völkerungslehre im engeren Sinne bezeichnet. Jedenfalls steht diese
Bevölkerungstheorie in engster Beziehung zu der Bevölkerungsstatistik.
Sie baut einmal auf deren Ergebnissen auf, sie gibt aber auch der
Bevölkerungsstatistik wichtige Fingerzeige, in welcher Richtung sie
zu arbeiten und vorzugehen hat. Denn keine empirische und de-
skriptive Forschung darf wahl- und systemlos vorgehen; die Einzel-
untersuchung muß eine bestimmte Bedeutung, einen bestimmten
Sinn haben und das ist nur dort möglich, wo dafür allgemeine Ge-
sichtspunkte richtunggebend sind, wie sie für das Gebiet der Be-
völkerung allein die Bevölkerungstheorie geben kann.
Bevölkerungstheorie in diesem allgemeinen Sinne — als
wichtigster Bestandteil der Bevölkerungslehre — hat nicht die Dar-
stellung, sondern die Erklärung der Bevölkerungserscheinungen zum
Gegenstand. Dazu dienen ihr zwar auch im hohem Umfange die
Ergebnisse der Bevölkerungsstatistik. Aber vom Standpunkt der
Bevölkerungslehre aus ist die Bevölkerungsstatistik nur Methode, nur
Hilfsmittel der Forschung, neben der dann Ergebnisse und Folge-
rungen, die durch historische Forschung oder durch rein logisches
Denken gefunden worden sind, eine durchaus ebenbürtige Rolle