Anleihetypen (etwa 4- bis 10 jährige, zu pari rückzahlbare Schatz
anweisungen) die freien Kapitalien nach ihrer verschiedenen Anlage
dauer besser und fester zu erfassen.
6. Endlich ist noch zu beachten, daß mit der Übertragung großer
Teile der sich in der Volkswirtschaft ansammelnden Kaufkraft auf
das Reich (mittelst Zeichnung auf die Kriegsanleihe) die Beziehun
gen zwischen Kriegsfinanzierung und Gütermarkt nicht abgeschlos
sen oder erledigt waren. Mit dem Erlös aus einer Kriegsanleihe
zahlte zwar das Reich die vorher auf genommenen Kredite zurück,
indem es die von der Reichsbank bevorschußten Reichsschatz
anweisungen einlöste. Es konnte aber schon darauf hingewiesen
werden, daß von der 5. Anleihe an der Erlös aus den Zeichnungen
nicht mehr ausreichte, um den Gesamtbetrag der im Umlauf be
findlichen Schatzanweisungen einzulösen, und daß nach Erledigung
der 9. Kriegsanleihe sogar noch 40 Milliarden Mark Schatzanweisun
gen der Einlösung harrten. Dazu kam, daß das Reich nach Abschluß
einer Kriegsanleihe, die ihm jeweils Teile der Kaufkraft von den
Einzelwirtschaften zurückgab, nicht etwa aufhörte, sich neue Kauf
kraft zu verschaffen und durch die Kriegswirtschaft fortgesetzt
weitere Kaufkraft zu erzeugen. Die Steigerung der Kaufkraft der
Einzelwirtschaften ging vielmehr ohne Unterbrechung weiter. Tag
für Tag wurden 100, zuletzt 130 Millionen Mark Schatzanweisungen
bei der Reichsbank diskontiert, Zahlungen in dieser Höhe geleistet,
neue Einkommen und Einkommensteigerungen gebildet, neue Nach
fragen nach den Gütern entwickelt, neue Preissteigerungen hervor
gerufen. So erhielt die Inflation, die Aufblähung der Kaufkraft
der Einzelwirtschaften gegenüber einer sich nicht gleichermaßen
vermehrenden Gütermenge, erhielt die Inflation — trotz je
weiligen Rückflusses eines Teiles der Kaufkraft auf die Kriegs
anleihen — fortgesetzt neue Nahrung, dauerten die Ursachen in
sich verstärkendem Maße an, aus denen die Inflation ihre eigent
liche Entstehung ableitete: Steigerung des staatlichen Konsumtiv
kredites mit jedem weiteren Tag, den der Krieg dauerte. Und in
diesem finanziellen Hexenkessel hat sich ein Teil der durch die
Kriegswirtschaft aufgeblähten Kaufkraft in die Kriegsanleihen
medergeschlagen, die damit—neben den thesauriertenNoten (vgl. I)
und den Depositen (vgl. IV) — das sichtbare Zeichen der unge
heuren Inflation, unter der die deutsche Volkswirtschaft leidet,
dar stellen.
Prion, Inflation und Geldentwertung. 3