Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

‚88

Giordano Bruno.

jenigen zwischen den Teilen der Quadratseite.®) Um somit die
Grössenverschiedenheit der einzelnen Gebilde zu verstehen und
zu bestimmen, werden wir auf den Begriff des „Intervalls“, damit
aber mittelbar auf den reinen Raum, sofern er noch nicht als
gegliedertes Aggregat von Einheiten gedacht ist, zurückverwiesen.
Vergleichen wir Bruno an dieser Stelle mit der antiken Atomistik,
so treten die Grundmomente und die Schranken seiner Denkart
deutlich hervor. Auch Demokrit unterscheidet Volles und Leeres,
den Gegenstand der Physik und der Geometrie, wie „Seiendes“
und „Nicht-Seiendes“; aber er wagt den kühnen und entscheidenden
 Satz, dass das gleiche Recht und der gleiche logische
Anspruch, der dem Sein eignet, auch dem Nicht-Sein zukommt,
dass beide somit für die Erkenntnis gleich unabhängige und
gleich unentbehrliche Faktoren sind. Dem ‚substantiellen Dasein
lritt der stetige geometrische Raum, als Quell möglicher Beziehungen,
 ebenbürtig zur Seite (s. ob. S. 32f). Für Bruno dagegen
 ist das Minimum die Substanz der Dinge nicht nur, sondern
 jedes Denkinhalts überhaupt. So muss er, weil es keine
gleichen Objekte gibt, den exakten Begriff der Gleichheit
verleugnen und aufheben, so muss er die höheren begrifflichen
Gebilde, statt auf dem Wege der Definition und der gedanklichen
Synthesis, durch sachliche Zusammensetzung und Verschmelzung
aus den einfachen hervorgehen lassen.
Dass hierbei aber das eigentliche logische Ziel, das die Lehre
vom Minimum sich steckt, nicht erreicht wird, lässt sich wiederum
an den eigenen Grundbestimmungen Brunos deutlich machen.
Dieses war, wie wir sahen, darauf gerichtet, den komplexen
Inhalt aus seinen einfachen Begriffskomponenten aufzubauen
und entstehen zu lassen. Jetzt aber zeigt sich, dass die Elemente
selbst, nicht minder als die physischen Dinge, eine unübersehbare
 Mannigfaltigkeit darstellen: es gibt ebensoviel qualitativ
verschiedene Minima, als es verschiedene Spezies, ja verschiedene
 Individuen gibt.®) In strenger Sonderung und ohne
die Möglichkeit einer gegenseitigen Ueberführung stehen die Gestalten
 der einzelnen Elemente einander gegenüber. Damit
aber ist eine notwendige und unaufhebliche Vielheit gesetzt,
von der nicht ersichtlich ist, wie sie aus dem ursprünglich
Einen hervorgehen soll. Auch die Auskunft. dass nach dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.