Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Pascal.

sein Verhältnis zur Gottheit konzentriert, zuletzt unaufhaltsam
zur völligen Vereinzelung. Pascals eigene Lebensgeschichte
bietet hierfür den tragischen Beweis: sie zeigt, dass er, je mehr
er der eigenen Lehre zu leben sucht, sich um so gewaltsamer
allen natürlichen Grund- und Gemeinschaftsgefühlen entfremden
muss. 14) „Nous sommes plaisants de nous reposer dans la societe
de nos semblables. Miscrables comme nous, impuissants comme
nous, ils ne nous aideront pas; on mourra seul; il faut done
faire comme si on Ctait seul“ (XIV, 1), Kein Wunder, dass
Bayle sowohl, wie Voltaire dieser Lehre ihre stärksten Argumente
 zur Abweisung jeder rein theologischen Begründung der
Sittlichkeit entnehmen und dass noch der junge Goethe ihnen
Ddeistimmen konnte.
Vom geschichtlichen Standpunkt aber bildet auch hier wiederum
 die Lehre Pascals das Symptom eines allgemeinen, inneren
Mangels des Cartesischen Systems. Die strenge Grenzscheidung
zwischen Vernunft und Autorität blieb in ihm auf das theoretische
Gebiet beschränkt: es fehlt der Lehre Descartes’ an einer selbständigen
 und eigentümlichen Grundlegung der Ethik. Die provisorische
 Moral, die der „Discours de la methode“ entwickelt
and die die bedingungslose Hingabe des Einzelnen an die bestehenden
 Gebräuche und Satzungen fordert, ist niemals endgiltig
beseitigt und ersetzt worden. Wenn Descartes sich später dem
Jroblem der Leidenschaften zuwendet, so spricht er auch hier
mehr als Physiologe, denn als Ethiker. So blieben denn auch
m Begriff des Willens und in seinem Verhältnis zum Intellekt
mannigfache innere Schwierigkeiten zurück. Und wenn schon
vei ihm selbst der Wille es ist, der die Wahrheit der klaren
und deutlichen Verstandeseinsicht erst bestätigen und sanktionieren
 muss, so begreift man, dass bei Pascal die beiden Grundkategorien
 der theoretischen und sittlichen Wahrheit gemeinsam
 auf den Ursprung der inneren Empfindung zurück gedeutet
werden und damit in einander verschmelzen und übergehen.
Die eigentliche Gefahr liegt indes nicht in dieser Subjektivierung:
 denn hier ist es doch noch die Psychologie, ist es
somit das Bewusstsein, das zur Entscheidung aufgerufen wird.
Erst in der Jansenistischen Gnadenlehre, die Natur und Selbst
der Sünde preisgibt, geht auch dieser letzte Halt verloren. So
            
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