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Zogik und Kategorienlehre. — Burthogge.
teilung unterworfen werden, erfasst und ordnet. Und wenn es
müssig ist, von „eingeborenen Begriffen“ in der ersten dieser
beiden Bedeutungen als. festen, gegebenen Vorstellungskomplexen
zu sprechen, so müssen wir andererseits dem Geiste gewisse ur-
sprüngliche und eigentümliche Kräfte zuerkennen, die ihm aus
seinem eigenen Grunde entstehen. Wie das Auge die Dinge nur
anter der Erscheinung des Lichts und der Farbe wahrnimmt,
während beide Qualitäten ihren Bestand nicht in den Dingen,
sondern nur im Auge selbst haben: so begreift der Verstand die
Dinge, ihre Verhältnisse und ihre Eigenschaften nur unter be-
stimmten Begriffen, Solche Begriffe, denen wir kein geson-
dertes reales Dasein zusprechen dürfen, sondern die uns nur die
Beschaffenheit des eigenen denkenden Wesens widerspiegeln,
sind das Sein, sind Substanz und Accidens, Teil und Ganzes,
Ursache und Wirkung. Wenn die Logiker zwischen primären
and sekundären Begriffen unterscheiden, wenn sie zu den letzte-
ren reine Verhältnissetzungen, wie die Correlation zwischen dem
Teil und dem Ganzen, der Ursache und der Wirkung rechnen,
während sie für die Kategorien der Quantität, der Qualität und
der Substanz eine Ausnahmestellung und eine besondere, onto-
logische Bedeutung behaupten, so ist dieser Unterschied hin-
fällig: beide Klassen gehen nicht auf die Dinge als solche, sondern
sind spezifische Bekundungen und Tätigkeiten des Denkens. „Es
ist gewiss, dass für uns Menschen die Gegenstände nur in soweit
vorhanden sind, als sie in einer bestimmten Beziehung zu uns
stehen und dass sie, soweit sie von uns nicht erkannt werden,
für uns Nichts sind. Sie können indes nicht anders erkannt
werden oder in Beziehung zu uns treten, als sofern sie uns in
unseren geistigen Vermögen: in den Sinnen, der Einbildungskraft
oder dem Verstande, gegeben sind.“ Jedes Vermögen des Bewusst-
seins ist, wenngleich nicht die einzige, so doch die mitbestimmende
Ursache der objektiven Erscheinung, die sich ihm darstellt: wie
das Gesicht zur Bildung der Farben, das Gehör zur Bildung der
Töne mitwirkt, so hat die Eigennatur der Phantasie entscheiden-
den Anteil an den Bildern der Einbildungskraft, die Eigennatur
des Verstandes entscheidenden Anteil an der Bildung des Objekts,
indem sie die primitiven Begriffe hervorbringt, unter denen allein
er Objekte empfängt und aufnimmt (in framing the Primitive Na-