Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Zogik und Kategorienlehre. — Burthogge. 
andere, formale Wahrheit besitzen, als in dem Geiste, der sie 
bildet? Denn in der Welt der Gegenstände gibt es nichts der- 
gleichen, wie eine Substanz oder ein Accidens, so wenig wie es 
nier Subjekte und deren Eigenschaften gibt. Dennoch gibt es 
kein Ding, das wir nicht als einer dieser beiden Klassen zuge- 
hörig, als Substanz oder als Accidenz begreifen, so dass wir die 
aegenstände nicht so wie sie sind, in ihrer eigenen Wesenheit, 
sondern nur unter dem Aufputz und der Gewandung der Begriffe 
zrfassen, mit denen unser Geist sie bekleidet“. 3) 
Wenn bis hierher nur der allgemeine Gedanke, der uns bei 
Geulincx begegnete, in klarster und freiester Darstellung sich aus- 
sprach, so gewinnt Burthogge einen neuen Fortschritt, indem er 
das Prinzip seiner Erkenntnislehre gegenüber der Philosophischen 
Hauptfrage der Zeit: der Unterscheidung der geistigen und körper- 
lichen Substanz zur Anwendung bringt Blieb Geulinex, wie wir 
sahen, hier noch an die metaphysischen Voraussetzungen des 
Dualismus gebunden, so wird jetzt auch diese Annahme der 
Kritik des methodischen Grundverfahrens unterworfen. Die Frage 
selbst muss zunächst eine Umformung erfahren ; sie betrifft 
nicht mehr schlechthin die Dinge, sondern unsere Begriffe, die, 
wie sie den Ursprung der Kategorie der Substanz enthalten, 
so auch für ihre Anwendung Regel und Leitfaden bilden 
müssen. Wir müssen vor allem festhalten, dass, wenn wir auch 
jetzt noch von der Erkenntnis des „Wesens“ eines bestimmten 
Dinges sprechen, der Gedanke eine streng begrenzte Bedeutung 
erhalten hat. Wir verstehen darunter nunmehr den Inbegrift 
aller Merkmale und Eigenschaften, die uns durch : irgend ein 
geistiges Vermögen, sinnlichen oder intellektuellen Ursprungs, 
vermittelt werden. Auf diese Weise gelangen wir, wenngleich 
nicht zu einer absoluten, so doch zu einer Vergleichenden, rela- 
:jven Erkenntnis, gelangen wir z. B. dazu, ohne über die innere 
‚Natur“ der Materie etwas auszumachen, die verschiedenen Stoffe, 
die dieErfahrung uns darbietet, auf Grund rein empirischer Kenn- 
zeichen zu sondern und von einander abzugrenzen. Wie das Auge 
unmittelbar nur Licht und Farben wahrnimmt, vermöge 
lieser ursprünglichen Empfindungen aber dazu gelangt, mannig- 
fache Objekte, ihre Grösse und Gestalt, ihre gegenseitige Entfer- 
nung und ihre Bewegung zu unterscheiden: so unterscheidet der
	        
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