Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das Absolute und das System der Begriffe. 
467 
tions, under which it takes in and receives Objects). „Die unmittel- 
baren Objekte des Denkens sind somit „Entia cogitationis“ d. h. ins- 
gesamt blosse Phänomene: Erscheinungen, die ebensowenig 
ausserhalb unserer geistigen Vermögen in den Dingen selbst existie- 
ren, als die Bilder, die wir im Wasser oder hinter einem Spiegel er- 
blicken, sich wirklich an dem Orte befinden, an dem sie von uns ge- 
sehen werden.“ Es ist vergeblich, diese Begrenzung für das Gebiet 
der Sinnlichkeit zugestehen, für den Verstand dagegen leugnen zu 
wollen. Denn beide Grundfähigkeiten sind unlöslich mit einander 
verknüpft und auf einander hingewiesen; der Verstand wird, da 
er für die Ausübung seiner Funktion kein anderes Material, als 
die sinnlichen Empfindungen und Vorstellungen, vorfindet, un- 
aufhaltsam in die gleiche Bedingtheit, wie diese, hineingezogen. 
Ja es scheint, dass er, je mehr er sich dem Allgemeinen zuwendet, 
umsomehr die konkrete Wirklichkeit der Dinge, die in beson- 
deren Bestimmungen besteht und aufgeht, aus dem Auge verliert: 
das Werk der Läuterung, das er an dem gegebenen Sinnesein- 
druck vollzieht, entfernt ihn zugleich von dessen ursprünglicher 
und primitiver Gestalt, in der die Realität der Dinge sich noch 
am nächsten und unmittelbarsten zu spiegeln scheint. Das Licht, 
das von den Gegenständen ausgeht, erfährt in unserem Intellekt 
nur gleichsam eine neue Brechung und Ablenkung: das Denk- 
vermögen erweist sich als ein eigener Sinn, der, wenngleich er 
verfeinert und veredelt ist, doch zugleich ein neues Medium 
zwischen den Geist und die absolute Wesenheit des Objekts 
einschiebt. So stellt z. B. der Grundbegriff des Dinges selbst zwar 
den allgemeinsten Gesichtspunkt dar, unter dem wir die Inhalte 
der Vorstellung erfassen und gliedern können, aber er verrät 
sich eben in dieser Allgemeinheit zugleich um so deutlicher als 
ein blosses Mittel unseres Begreifens: „thing indeed is the most 
general notion, but then it is but a notion, because it is 
general; and has the most of a notion, because it is the most 
general.“ Hier wie überall ergreifen wir das „Wesen“ nur „unter 
der Vermummung und Maske der Begriffe.“ „Betrachten wir 
ferner Substanz und Accidens, jene ersten Stufen und Staffeln zu 
einer distinkten Erfassung und Erkenntnis der Dinge: was sind 
sie anders, als Modi concipiendi, als Geschöpfe der Vernunft oder 
Begriffe, die freilich nicht ohne Grund sind, die aber doch keine 
a0*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.