Das Absolute und das System der Begriffe.
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tions, under which it takes in and receives Objects). „Die unmittel-
baren Objekte des Denkens sind somit „Entia cogitationis“ d. h. ins-
gesamt blosse Phänomene: Erscheinungen, die ebensowenig
ausserhalb unserer geistigen Vermögen in den Dingen selbst existie-
ren, als die Bilder, die wir im Wasser oder hinter einem Spiegel er-
blicken, sich wirklich an dem Orte befinden, an dem sie von uns ge-
sehen werden.“ Es ist vergeblich, diese Begrenzung für das Gebiet
der Sinnlichkeit zugestehen, für den Verstand dagegen leugnen zu
wollen. Denn beide Grundfähigkeiten sind unlöslich mit einander
verknüpft und auf einander hingewiesen; der Verstand wird, da
er für die Ausübung seiner Funktion kein anderes Material, als
die sinnlichen Empfindungen und Vorstellungen, vorfindet, un-
aufhaltsam in die gleiche Bedingtheit, wie diese, hineingezogen.
Ja es scheint, dass er, je mehr er sich dem Allgemeinen zuwendet,
umsomehr die konkrete Wirklichkeit der Dinge, die in beson-
deren Bestimmungen besteht und aufgeht, aus dem Auge verliert:
das Werk der Läuterung, das er an dem gegebenen Sinnesein-
druck vollzieht, entfernt ihn zugleich von dessen ursprünglicher
und primitiver Gestalt, in der die Realität der Dinge sich noch
am nächsten und unmittelbarsten zu spiegeln scheint. Das Licht,
das von den Gegenständen ausgeht, erfährt in unserem Intellekt
nur gleichsam eine neue Brechung und Ablenkung: das Denk-
vermögen erweist sich als ein eigener Sinn, der, wenngleich er
verfeinert und veredelt ist, doch zugleich ein neues Medium
zwischen den Geist und die absolute Wesenheit des Objekts
einschiebt. So stellt z. B. der Grundbegriff des Dinges selbst zwar
den allgemeinsten Gesichtspunkt dar, unter dem wir die Inhalte
der Vorstellung erfassen und gliedern können, aber er verrät
sich eben in dieser Allgemeinheit zugleich um so deutlicher als
ein blosses Mittel unseres Begreifens: „thing indeed is the most
general notion, but then it is but a notion, because it is
general; and has the most of a notion, because it is the most
general.“ Hier wie überall ergreifen wir das „Wesen“ nur „unter
der Vermummung und Maske der Begriffe.“ „Betrachten wir
ferner Substanz und Accidens, jene ersten Stufen und Staffeln zu
einer distinkten Erfassung und Erkenntnis der Dinge: was sind
sie anders, als Modi concipiendi, als Geschöpfe der Vernunft oder
Begriffe, die freilich nicht ohne Grund sind, die aber doch keine
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