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Bayle.
sich andererseits soeben ein neues gedankliches Instrument erschuf,
um die Probleme des Unendlichen innerhalb der Wissenschaft
exakt zu beherrschen und zu bewältigen. Bei Bayle
dagegen tritt das Problem freilich zunächst nur als eine Frage
der Metaphysik auf, die aber alsbald ihren Einfluss und ihre
Rückwirkung auf die allgemeinen Fragen der Erkenntnislehre
beweist. Das Originale und Wertvolle seiner Leistung besteht
darin, dass er als Erster in der neueren Philosophie die Bedeutung
der Antinomien für die Begründung des Idealismus erkennt.
Damit hat er ein Motiv geschaffen und einen Zusammenhang gestiftet,
der in der Geschichte des Erkenntnisproblems nicht wieder
verloren gegangen ist.®) So schwach und haltlos seine Argumente
sind, wenn man sie als Einwände gegen die wissenschaftliche
Mathematik betrachtet, so wertvoll werden sie als Waffen gegen
den naiven Wirklichkeitsbegriff. Die Annahme eines unbedingten
Seins, das ausser jeglicher Beziehung zu den Forderungen
ınd Gesetzen des Denkens stände, zeigt sich jetzt nicht nur als
zine leere, unbeweisbare Behauptung: sie offenbart sich als ein
durchgängiger innerer Widerspruch. Nicht die Existenz; sondern
selbst der Begriff der absoluten Materie wird entwurzelt.
Denn wie immer man das „Sein“ der Materie sich denken mag,
ob man es aus ausdehnungslosen Punkten zusammensetzt oder
ob man es aus Atomen oder aus Elementen von unbegrenzter
Teilbarkeit bestehen lässt: immer geraten wir mit klaren und
unaufheblichen Beweisgründen des Verstandes in Widerstreit. Jede
dieser drei Meinungen vermag sich nur mittelbar dadurch zu behaupten,
dass sie die beiden anderen entgegenstehenden Sätze als
unmöglich erweist: jede ist unbesieglich, solange sie sich angrei-{end
verhält, um sogleich zu nichte zu werden, falls sie es unternimmt,
ihre These mit positiven Gründen zu erhärten.®) Das
Sophisma, das hierbei begangen wird, liegt klar zu Tage. Wenn
die Ausdehnung ein unabhängiges reales Etwas ist, so gilt freilich
nur eine der angeführten Möglichkeiten; so muss sie ein Aggregat
aus mathematischen oder physischen Punkten sein, oder aber aus
Teilen bestehen, die ins Unendliche weiter zerlegbar sind. Aber
statt aus der Ausschliessung zweier dieser Fälle mit Gewissheit
auf die Wahrheit des dritten zu schliessen, sollte man aus dem
Kampfe und dem schliesslichen gemeinsamen Schicksal der Par-