thumbs: Wirtschaft als Leben

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Der Stapel wurde aber auch von den Fürsten im Kampfe be 
nutzt, soweit solche Städte im Landesverbände geblieben oder neu 
hineingekomraen waren; so führte Friedrich der Grofse einen Teil 
seines Kampfes gegen Sachsen mit dem alten Magdeburger Stapel 
und Sachsens Waffe überhaupt war der Leipziger Stapel, den nach 
der von Sachsen soweit es seine Grenzen zuliefsen durchgeführten 
Auffassung auf 15 Meilen niemand umfahren durfte. 1 ) Es kamen 
auch eigentümliche Verbindungen zwischen neu und alt vor, wenn 
z. B., da Minden nicht mehr imstande war, Holz nach Stapelrecht 
zu kaufen, ein Bremer Bürger Kulenkamp Bürgerrecht in Minden 
erwarb, da die preufsische Regierung bestrebt war, Bürger dahin zu 
ziehen, und nun in der in der absolutistischen Zeit beliebten 
monopolistischen Form das Stapelholz bezog, bis, trotz aller bremischen 
Mafsregeln gegen ihn, der Verdacht auftauchte, dafs er bei seinem 
grofsen Betriebe nur der Strohmann bremischer Holzhändler sei. 
Hannover stützte auf alle Weise seine Speditionsstädte Lüne 
burg und Münden mittels ihrer Stapel- und Niederlagsrechte 2 ). Erst 
im neunzehnten Jahrhundert mit der modernen Verfassung trat das 
neue Harburg an die Stelle des alten privilegierten Lüneburg in 
Hannovers Politik. Der Versuch, eine Umgehung von Bremen ein 
zurichten, ist natürlich auch ein Ausflufs moderner Territorialpolitik, 
in welcher auch eigene Stapel gegen nachbarliche Territorien und 
Städte statt früher blofse Ausflüsse städtischer Verhältnisse zu sein, 
verwandt wurden; es handelt sich bei dem Kampfe nicht um 
theoretische Erwägungen. 
Die Territoriaipolitik durchdringt und verändert z. T. die 
Funktion der alten städtischen Institute. 
Handelspolitik durch Zoll allein zu treiben, ist neuesten Datums 
und auch schon jetzt nicht mehr rein, da wir mit unseren Eisen 
bahntarifierungen etwas ganz ähnliches im nationalen Sinne betreiben 3 ), 
’) Vgl. Jobs. F alkes namentl. a. d. Hauptstaatsarchiv zu Dresden ge 
schöpfte Schilderung in seiner Geschichte des deutschen Zollwesens, Leipzig 1869 
und die in meinem Zur Geschichte der alten Handelsstrafsen zum Leipziger 
Stapelstreit etc. angegebene Literatur; G. Schm oller a. a. 0. in s. Jahrb., 
N. F. VIII. Jg. u. X. Jg. 
2 ) Bremer Archive, Patje,Albers, v. Reden, Baasch etc. a. a. 0. 
3 ) Vgl. Literatur zur Eisenbahntarifpolitik bei Walther Lotz, Ver 
kehrsentwickelung in Deutschland 1800—1900, Aus Nat- u. Geisteswelt, Sammlg. 
gemeinv. Darst., XV. Bd., Leipzig 1906, S. 46, (67); Katalog d. Bibi. d. 
Handelsk. z. Bremen, 1903, (H. IV.), S. 65 ff.; Katalog der Commerzbibi. i. 
Hamburg, 1864 ff., (Mathem. u. Bauwissensch.; Eisenbahnen). Zur Eisenbahn 
tarifierung im nationalen Sinne vgl. a. Duckwitz’s Manuskript Das Reichs-
	        
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