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Zunahme
der Silber-
roduktion.
hunderts die Goldproduktion nur 36%, die Silberproduktion 64 9% der
gesamten Edelmetallproduktion ausmachte, hatte sich im Durchschnitt
der Jahre von 1851—80 der Prozentsatz gerade umgekehrt, er war
an Gold 66,7% , an Silber 33,3% , und erst seitdem hat die Silber-
produktion wiederum eine höhere Bedeutung erlangt. Die Ausdehnung
der civilisierten Welt, der wachsende Bedarf an Gold für Industrie-
zwecke, der erhöhte Abfluß von Gold nach dem Orient müssen hier
ausgleichend gewirkt haben. Offenbar war auch damals der Edelmetall-
markt nicht so ausgebildet wie jetzt. Die Neuproduktion erschien nicht
in der ganzen Masse auf dem Markte, so daß schon ein geringeres
Quantum, welches zu jeder Zeit ohne Schwierigkeit auf den Markt
geworfen werden konnte, ausgleichend zu wirken vermochte.
In den angeführten Momenten aber die alleinige Ursache der
Silberentwertung zu sehen, ist völlig unberechtigt. Ein Beweis da-
gegen wurde von Deutschland geliefert, indem es auf das Drängen der
Bimetallisten 1879 den Verkauf von Silber sistierte, in der Hoffnung,
dadurch dem weiteren Sinken des Silberwertes ein Ziel zu setzen. Die
Erwartung wurde völlig getäuscht, das Silber sank trotzdem in den
achtziger Jahren in noch rapiderer Weise.
Ungleich bedeutsamer ist sicher das zweite Moment gewesen:
2. die Zunahme der Silberproduktion in den letzten Dezennien, die seit
den sechziger Jahren sich auf das Fünffache entwickelt hat. Unter-
stützt wurde die Wirkung noch durch ein erhebliches Sinken der Pro-
duktionskosten, infolge der Erfindung sowohl einer Anzahl Maschinen,
welche den bergmännischen Betrieb erleichterten, wie eines verbesserten
Verfahrens der chemischen Ausscheidung des Silbers und besonders
einer vollständigeren Gewinnung desselben aus dem Erz, so daß trotz
des bedeutenden Sinkens der Preise sich in verschiedenen Gegenden die
Produktion bezahlt machte, wie bisher, besonders wenn man durch For-
cierung der Produktion im Großen die Generalunkosten verminderte.
3, Gerade in den 70er Jahren verminderte sich der Abfluß von
Silber nach dem Orient etwas, aber nicht sehr erheblich und hat sich
seitdem längere Zeit auf derselben Höhe erhalten. Gegenüber der
wesentlich gestiegenen Produktion fiel deshalb diese Ausfuhr weniger
ins Gewicht als früher.
4. Schließlich kam hinzu, daß der Verbrauch für industrielle
Zwecke bei dem Golde bis in die neunziger Jahre viel mehr wuchs, als
bei dem Silber.
Aus allem mußte sich ergeben, daß das Verhältnis zwischen Gold
und Silber sich mehr und mehr zu Ungunsten des letzteren ver-
schob, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß auch ohne eine
Veränderung in den Währungsverhältnissen das Silber in den 80er
und 90er Jahren eine Entwertung erfahren haben würde. Gegenüber
der gewaltigen Produktion spielte der Bedarf an Münzmetall keine
Jurchgreifende Rolle mehr, so daß auch die Aufrechterhaltung der freien
Ausprägung in Frankreich, ja selbst die Ausdehnung des Bimetallismus
auf andere Länder keinen anderen Einfluß ausgeübt haben würde, als
den Ersatz der Goldmünze durch Silbermünze, was in wenig Jahren
geschehen sein würde, worauf ein weiterer Einfluß auf das Wertrver-
hältnis der Metalle natürlich ausgeschlossen gewesen wäre, Wie sich
das Wertverhältnis in der nächsten Zukunft gestalten wird, hängt durch-
aus von der weiteren Entwickelung der Produktion ab, die einstweilen
nicht mit Bestimmtheit vorauszusehen ist.