Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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S 33. 
Die volkswirtschaftlichen Wirkungen der Silber- 
entwertung. 
Welches sind nun die volkswirtschaftlichen Folgen, die eine solche 
Entwertung des Silbers, wie sie in der neueren Zeit ‚stattgefunden hat, 
auszuüben vermag, und welche lassen sich in der neueren Zeit kon- 
statieren ? 
A. In erster Linie kommt der Einfluß auf die Münzzirkulation in 
Betracht. Ein Land, welches in großer Ausdehnung Silbermünzen als 
gesetzliches Zahlungsmittel im Umlaufe hat, kommt dadurch in eine 
äußerst prekäre Lage. Das gesetzliche Zahlungsmittel wird in der 
Hauptsache Kreditgeld, der Wert desselben beruht nicht auf dem 
Metallgehalt, sondern auf dem Kredit des Staates, resp. auf dem Ver- 
trauen auf die dauernde Absatzfähigkeit des Geldes. In dieser Lage 
befinden sich Frankreich, die Vereinigten Staaten von 
Nord-Amerika, vor allen Dingen Indien und Mexiko. 
Der Schaden für das betreffende Land, welches in großer Aus- 
dehnung Silber im Umlauf hat, liegt auf der Hand. Frankreich und 
die Nordamerikanische Union, welche einen Silbervorrat von rund 
über 2 Milliarden Mark teils in Zirkulation befindlich, teils aufgespeichert 
haben, erfahren durch die Entwertung desselben eine Einbuße von 1%, 
Milliarden. Auch Deutschland hatte bei dem Verkauf des überschüssigen 
Silbers schon in den 70er Jahren einen Verlust von über 70 Millionen 
erlitten, und auch da ist noch die Einbuße durch die Entwertung des 
vorhandenen Silberumlaufs von rund einer Milliarde Mark hinzuzu- 
rechnen; aber der damit verbundene Verlust steht doch weit zurück 
hinter der Einbuße, welche das Land durch mehrjährige Mißernten, 
oder einen allgemeinen Rückgang der Eisen- und Kohlenpreise erfährt. 
So lange die Münze nicht eingeschmolzen und als Silber an das Aus- 
land verkauft wird, merkt Niemand etwas: von dem Verlust, Er wird 
deshalb thatsächlich in seiner volkswirtschaftlichen Bedeutung gewaltig 
überschätzt. In einem höheren Maße fällt die Entwertung des gesetz- 
lichen Zahlungsmittels in das Gewicht, wo Silberwährung vorliegt, gegen- 
über dem Auslande, wo Goldwährung besteht. Wo dasselbe eine große 
Bedeutung hat, wie in Frankreich und der Nordamerikanischen Union, 
wird dieses seine außerordentlichen Bedenken haben. Es liegt dann die 
Gefahr vor, daß im Falle eines Krieges Schwierigkeiten in dem Absatz 
desselben entstehen, die andere Münze Agio erzielt und, wenn dieselbe in 
zu geringen Quantitäten vorhanden ist, sich empfindliche Zahlungs- 
stockungen entwickeln. Als in Deutschland noch Ende der 70er Jahre 
für etwa eine halbe Milliarde Mark Thaler im Umlauf waren, blieb dies 
zwar ein mißlicher Umstand, der aber zu ernsten Bedenken einen Anlaß 
nicht geben konnte, weil sie nur einen kleinen Teil des gesamten. Umlaufs 
an klingender Münze ausmachten und die Zahlungen an die Staats- 
kassen der Post, Eisenbahn, des Steuerfiskus so bedeutende sind, daß 
ladurch zu jeder Zeit die Absatzfähigkeit zu vollem Werte gewährleistet 
war, Seitdem hat sich der Vorrat an Thalern nach den offiziellen 
Angaben auf circa 360 Millionen Mark vermindert, und dieses soll nun 
nach dem Gesetz von 1900 durch erweiterte Ausprägung der Silber- 
scheidemünze und durch Einschmelzung des Restes und Verkauf des 
Silbers beseitigt werden. Nach dieser Richtung hat mithin für Deutsch- 
Verlust durch 
das Sinken 
des Siber- 
wertes.
	        
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