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entwickeln, was ja für Europa von höchst einschneidender
Bedeutung werden muss.
Herr Edelheim von der Getreide- und Bankfirma Hell
mann und Seligmann, die mit Jay Gould in Geschäftsverbin
dung steht, an der einen Barken-Compagnie betheiligt ist, der
Flussbarken für den Getreidetransport von St, Louis nach New-
Orleans gehören, und die endlich direct nach Europa Weizen
und Mais auf eigene Rechnung versendet, führte uns zu einer
dieser Barken, welche soeben mittelst der Hüte eines der
grossen schwimmenden Dampfelevatoren Getreide in ein See
schiff überlud, und erklärte uns den sehr einfachen und billigen
Process. Er hatte auch die Freundlichkeit, uns fast alle jene
Zahlen über die Kosten des Getreidehandels von St. Louis
über New-Orleans nach Europa aus seinen eigenen Geschäfts
büchern mitzutheilen, welche ich besonders verarbeitet habe.
Am 14. und 15. Mai machten wir in Gesellschaft des
Herrn v. Meysenbug und der Kaufleute Mr. Moritz und Mr.
Kennedey einen Ausflug nach Port Eads an der Mündung des
Mississippi, 100 Meilen südlich von New - Orleans gelegen,
auf einem schnellen und bequem eingerichteten Dampfer, den
uns Herr Kennedey zur Verfügung gestellt hatte, und auf dem
wir seine Gäste waren.
In den Clubs und auf der Baumwollbörse wurden wir auf
das Zuvorkommendste aufgenommen und über den Handel
der Stadt nach allen Richtungen unterrichtet. Insbesondere
verpflichtete uns Herr Lincoln, der gewissenhafte und fleissige
volkswirthschaftliche Rédacteur des „New-Orleans Demokrat“,
durch Unterstützung bei unseren in diesem heissen Klima wirk
lich äusserst anstrengenden Arbeiten.
Mr. Algier, Präsident einer Oelmühlengesellschaft, führte
uns persönlich in einer der grossen Oelmühlen dieser Stadt
herum, in welcher aus Baumwollsamen Oel, Oelkuchen und
Oelkuchenmehl fabricirt werden. Dieses ist eine bedeutende
Industrie, die sich noch fortwährend vergrössert. Das Oel
wird in steigenden Quantitäten nach Italien, Spanien und
Frankreich exportirt, wo es als Olivenöl in den Handel kommt.