Full text: Ursachen der Amerikanischen Concurrenz

XVI. Capitel. 
New-Orleans. 
Nevv-Orleans, wo ich im Mai i88i anlangte, ist eine Stadt 
von ungeheurer Ausdehnung, mit sehr breiten, von bäumen 
beschatteten Strassen. Nach der Peripherie löst sie sich in 
Landhäuser gefälliger Bauart, in lieblichen Gärten gelegen, 
auf. Der Hafen — die Stadt liegt an beiden Seiten des 
Mississippi, der hier doch wohl zwei Mal so breit sein mag 
wie die Donau bei Budapest — ist ausserordentlich gross, so 
dass er fast leer aussieht, obschon einige hundert Seeschiffe 
in ihm liegen. Er ist factisch ohne Grenze, da der ganze un 
tere Flusslauf, bis zur too Meilen von der Stadt entfernten 
Mündung, nur die Fortsetzung des Hafens bildet. Grosse 
Schiffe sieht man an vielen Stellen unterhalb New-Orleans im 
Mississippi bis zu dessen Mündung ankern. Die Quarantaine 
liegt etwa 70 Meilen unterhalb New-Orleans und hat Platz für 
Hunderte von Schiffen. An der Mündung des Mississippi hat, 
wie schon gesagt, Capitän Fads jene Jetties construirt, denen 
es zu danken ist, dass der herrliche Hafen von New-Orleans 
jetzt für Schiffe mit 30 Fuss Tiefgang in jeder Jahreszeit zu 
gänglich ist, während er bis 1877 oft durch eine Sandbank 
fast gesperrt, in der Regel aber nur für Schiffe von 14 bis 
16 Fuss Tiefgang zu erreichen war. 
New-Orleans ist immer, was Export anbelangt, nach New- 
York der bedeutendste Hafen gewesen. Import hatten Phila 
delphia und einige andere Städte mehr. Baumwolle und Zucker 
waren früher die fast einzigen Exportartikel. Neuerlich sind 
Baumwollsamenöl, Baumwollsamenkuchen, Provisionen (Speck 
und Schinken), Weizen, Mais und Mehl dazu gekommen und
	        
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