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/ersteigerung,
Seltenheitspreise
ler den höchsten noch ökonomisch gerechtfertigt findet, z. B. bei öffenticher
Versteigerung.
In England werden die in den Häfen eingetroffenen Schiffsladungen
von Wolle und Baumwolle meist Öffentlich versteigert, wie
'n Frankreich und am Rhein die Weine größerer Produzenten, ebenso
lie edlen Zuchttiere, Böcke, Rennpferde etc. in England und Deutschland.
Die Kauflustigen kommen aus allen Gegenden zusammen und
überbieten sich. Derjenige erhält den Zuschlag, der das höchste Gebot
macht. Er bestimmt den Preis. Ein ähnliches Verfahren ist überall
im Verkehre zu beobachten, wo der Vorrat ein beschränkter ist. Die
Herstellungs- resp. Beschaffungskosten bilden nur die untere Grenze,
über welche der Preis je nach den Geboten erheblich hinausgetrieben
wird. Das sich Ueberbieten der Kauflustigen geschieht, ohne daß sie
sich dessen bewußt sind; oder der Verkäufer läßt es nicht zur Versteigerung
kommen, sondern stellt die Preise der Kaufkraft und Kauflust
der Leistungsfähigsten gemäß auf, und es ist die wichtige und
schwierige Aufgabe des Kaufmanns, hier mit dem richtigen Verständnis
den Verhältnissen die Preise anzupassen. Ein gutes Beispiel liefern die
Samenhändler in Deutschland, die dem Usus gemäß gleichzeitig ihre
Preiscourante versenden, in denen für jede Sorte in jedem Jahr nach
dem Ausfall der Ernte. die Preise von den Konkurrenten unabhängig
von einander aufgestellt werden, wobei nicht die Herstellungskosten des
einzelnen Jahres den Maßstab abgeben, die oft nicht erreicht werden
können, sondern die Zahlungsfähigkeit des Publikums nach dem zu erwartenden
Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Setzt ein Händler
nach einer Mißernte bei einer Sorte die Preise zu hoch an, so schreckt
er die Kunden überhaupt zu sehr ab, die sich einem Konkurrenten
zuwenden und dort ihren ganzen Bedarf auch an anderen Sorten beziehen;
setzt er die Preise zu niedrig an, so wird er zwar seinen Vorat
schnell los, erzielt aber nicht den Gewinn, der für ihn möglich gevesen
wäre.
Je größer die Dringlichkeit des Bedarfs, um so mehr kann der
Preis über die Herstellungskosten steigen (Seltenheitspreise), und um
;o mehr wird die Furcht vor Mangel oder Ueberfluß die Preisschwanzungen
noch über das Mißverhältnis von Vorrat und Bedarf hinaus
aervorrufen. Die Grenze jeder möglichen Preissteigerung liegt, wie erwähnt,
in der Zahlungsfähigkeit der Konsumenten. Diese Grenze wird
daher, wofür schon Belege angeführt sind, beim Bedarf der ärmeren
Klasse früher eintreten als bei dem der reicheren, und um so mehr,
wenn es sich um entbehrliche Gegenstände handelt.
Diese Seltenheitspreise bilden sich nun im wirtschaftlichen Leben
sehr allgemein aus und spielen eine weit größere Rolle, als gewöhn-‚ich
angenommen wird. Sie sind es, die den Unternehmergewinn liefern.
Dieselbe Fabrik stellt für die verschiedenen Waren, welche sie
herstellt, z. B. in der Wirkwarenbranche, die Preise mit sehr verschiedenem
Zuschlage zu den Herstellungskosten auf, je nachdem die
Artikel der allgemeinen Konkurrenz verfallen oder einzig in ihrer Art,
mit neuern Mustern, von besonderem Geschmack dastehen, also Seltenheitspreise
gestatten. Die Händler begnügen sich mit einem sehr gezingen
Preise bei Waren, welche die große Masse der Bevölkerung
f{ortdauernd bezieht, und die in jedem Laden zu haben sind. Sie nehmen
höhere Profite bei Waren von auserlesenem Geschmack, die als Spe-„jalitäten
angesehen werden können. Letztere werden unter Umständen