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1. So lange noch Boden im Ueberfluß vorhanden ist, und jeder
neue Ansiedler sich beliebig nach Lage und Qualität den Boden aus-
wählen kann, den er für den zweckmäßigsten hält, wird bei spärlicher
Bevölkerung der Preis des Getreides in der betreffenden Gegend
den Arbeitskosten entsprechen, die die Erzielung desselben im Durech-
schnitt beansprucht. Bildet sich in der Gegend, die abgelegen von
sonstigen Kulturcentren liegt, durch gewerbliche Ansiedler etc. eine
Stadt heraus, die größere Ansprüche an Nahrungsmitteln macht, so
wird, wie Thünen das in seinem isolierten Staate unübertrefflich gezeigt
hat, der Preis des Getreides steigen, je größer die Entfernungen sind,
aus denen das Getreide geholt werden muß, um den Bedarf der Stadt
zu decken. Denn es müssen nicht nur die Herstellungskosten gedeckt
werden, sondern auch die Transportkosten nach der Stadt, die mit der
Entfernung fortdauernd wachsen, Da nun die nächste Umgebung für ihre
Produkte natürlich denselben Preis erhält, wie die entfernter gelegenen
Gegenden, ohne die Transportkosten derselben tragen zu müssen, so er-
halten die Grundbesitzer dieser Gegend einen Ueberschuß über die
Produktionskosten, und dieser Ueberschuß ist eben die Grundrente, die
um so mehr steigt, je mehr die Bevölkerung der Stadt anwächst, und
je weitere Strecken das Getreide transportiert werden muß. So
kann nun eine entfernt gelegene Gegend, die bisher Grundrente
nicht erlangte, auf zweierlei Weise dieselbe erreichen: entweder
durch das Steigen der Bevölkerung in der Stadt, wodurch entferntere
Orte zur Lieferung herangezogen werden mußten, was eine Preis-
steigerung zur Folge hatte, oder, indem durch Verbesserung der Kom-
munikationsmittel, sagen wir durch Bau einer Eisenbahn oder eines
Kanals, die betreffende Gegend mit weniger Kosten die Lieferung
nach der Stadt zu bewirken vermochte, ohne daß darum größere
Quantitäten in die Stadt geschafft werden konnten, sondern indem die
Verhältnisse im übrigen die gleichen blieben. Der erstere Fall trat am
Schlusse des 18, und im Beginne des 19, Jahrhunderts eklatant in Eng-
land hervor, wo die rapide zunehmende Bevölkerung schnell größere
Anforderungen an Nahrungsmitteln machte, alsdie heimische Landwirt-
schaft zu befriedigen vermochte. Die Getreidepreise stiegen außer-
ordentlich, die Landwirtschaft gewann erhebliche Grundrente, die bei
den ausgebreiteten Pachtverhältnissen in der Steigerung der Pachtsumme
klar zu Tage trat. Dadurch sahen sich Robert Malthus und David
Ricardo veranlaßt, die Vorgänge genauer zu untersuchen und auf die
Eigentümlichkeit und die Bedeutung der Grundrente aufmerksam zu
machen. Verhältnisse, welche Grundrente zu Tage treten lassen, liegen
in Bezug auf den zweiten Punkt noch jetzt in den Vereinigten Staaten
von Nordamerika vor, wo fortdauernd durch Eisenbahnen neue Terri-
torien der Kultur erschlossen und zur Lieferung von Getreide auf die
großen Märkte herangezogen werden, wodurch der bis dahin fast wert-
lose Grund und Boden plötzlich einen hohen Preis erlangt. Auf Grund
dieser Beobachtung hat Henry George den Anspruch erhoben, daß
diese den Grundbesitzern durch die Arbeit anderer, resp. durch die Ent-
wickelung des Landes zufallenden Rentensteigerungen und Kapitalien
eben auch der Gesamtheit durch eine der Rentensteigerung sich an-
passende Grundsteuer zu gute kommen sollen.
Noch schärfer tritt diese Grundrente bekanntlich bei den Bau-
plätzen in den Städten und der nächsten Umgebung derselben zu Tage,
wo die Preissteigerung bei dem Aufblühen der Städte schon in kurzer
Grundrente
'nfolge der
Gunst der
Lage.
Bauplätze.