Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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einigten Staaten von Nordamerika hat zeitweise die Bevölkerung sich
in 25 Jahren durch eigene Kraft verdoppelt. Diese Möglichkeit und
das natürliche Streben dazu ist nach ihm überall bei den Menschen
vorhanden, da ein Ehepaar überall 4—5 Kinder zu haben und aufzuziehen
 vermag. Daß die Bevölkerung nicht allgemein in einer solchen
Weise zunimmt, wird vor allem durch natürliche Hemmungen repressiver
 resp. positiver Art verhindert, vor allem durch Mangel an Nahrung
and infolge davon durch Krankheiten, welche die Bevölkerung vorzeitig
dahinraffen, Kriege zwischen den Völkerschaften, die sich die ernährenden
 Territorien streitig machen; dann durch Laster und Ausschweifungen,
wie Gewaltmaßregeln, welche das aufkeimende Leben vernichten. Er
führt aus der Geschichte die große Zahl der Epidemien an, welche
zeitweise die Bevölkerung dezimiert haben, er zeigt, wie die primitiven
Völkerschaften, z. B. die Indianer, in blutigen Kämpfen um die Jagdgründe
 ihre Zahl vermindern, und daß auch die Kämpfe der Kulturvölker
 hauptsächlich gleichen Ursachen entspringen. Ueberall in alter
Zeit, und noch jetzt bei allen unkultivierten Völkern, sind die Aussetzung
 der Kinder, Tötung der Greise und Kranken, die Abtreibung
der Leibesfrucht gebräuchlich gewesen und sind es noch. Krst in der
späteren Schrift fügt er diesen positiven die präventiven Maßregeln,
die vernünftige Vorsicht in der Eheschliessung und Kindererzeugung
hinzu, die in der gebildeten Klasse der Kulturvölker vorhanden, aber
eine allgemeine Verbreitung noch nicht gefunden haben und in absebbarer
 Zeit schwerlich finden würden.
Jene Hemmnisse der natürlichen Volksvermehrung treten aber Unzulängein
 und erweisen sich als unvermeidlich, weil die Produktion mit der ‚lichkeit der
natürlichen Volksvermehrung nicht Schritt zu halten vermag, denn die An de
Produktivkraft des Bodens hat ihre enge Grenze, und der gute Acker- mittel
boden ist nur in beschränkter Menge vorhanden. Wohl kann neues
Land in Kultur genommen, anderes‘ durch Meliorationen «kulturfähig
gemacht werden; wohl können dem Boden mit Aufwand von Kapital
reichere Ernten abgewonnen werden, aber das geht nur langsam und
auf Grund wachsenden Wohlstandes vor sich, während die Bevölkerung
weit schneller zunehmen kann und schneller zu wachsen das natürliche
Bestreben hat. Malthus sucht in der Einleitung diesen Grundsatz
Jurch eine mathematische Formel zum prägnanten Ausdruck zu bringen,
indem er sagt: die Bevölkerung hat das Streben, sich in geometrischer
Progression zu entwickeln, wie 1 zu 2—4—8-—16 etc., während dagegen
 die Nahrungsmittel höchstens in arithmetischer Reihe wie 1—2
—3—4—5—6 dem Boden abgewonnen werden können, weshalb früher
oder später sich die Unmöglichkeit einer solchen Fortentwickelung herausstellen
 muß und das Mißverhältnis nur durch jene erwähnten Hemmungen
 vermieden werden kann. Gerade dieser Satz ist sehr allgemein
 zum Ausgangspunkt der Angriffe gegen Malthus genommen,
and man glaubte, ihn widerlegt zu haben, wenn man nachwies, daß
diese angeführten Zahlen der Wirklichkeit nicht entsprachen, Das
ist indessen völlig unrichtig, denn aus dem ganzen Werke geht klar
hervor, daß es ihm völlig fern gelegen hat, diese Ziffern als der
Thatsächlichkeit entsprechend anzusehen, daß sie vielmehr nur die
Tendenz in einem Beispiele zum scharfen Ausdruck bringen sollten,
Die Konsequenzen, welche er aus den grundlegenden Sätzen zog, Konsequen
waren natürlich hochbedeutsam. Jede künstliche Förderung der Volks- zen der
vermehrung mußte ihm unsinnig und im höchsten Maße schädlich er- Lehre.
            
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