Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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schaffen, die zur Vervollständigung des Ganzen erforderlich sind, aber 
eine baldige Rentabilität nicht erwarten lassen. So ist nur in seltenen 
Fällen ein ausschliessliches Privatbahnsystem aufrecht zu erhalten. Das 
gemischte System hat seine grossen Unzuträglichkeiten, weil die Einheit- 
lichkeit der Leitung dadurch empfindlich gestört wird. Sind die Bahnen 
zämtlich in einer Hand, so stellen sich folgende Vorteile heraus: 
Schon bei der Anlage können erhebliche Ersparnisse durch Ver- 
minderung der Zahl selbständiger Bahnhöfe gemacht werden, was zugleich 
eine ausserordentliche Erleichterung des Verkehres in sich schliesst, 
indem Güter und Personen durchgeführt und nicht von einem Bahnhof 
zum anderen zur Weiterbeförderung übergeführt zu werden brauchen. In 
den Vereinigten Staaten von Nordamerika findet man selbst in kleinen 
Städten 3, 4 Bahnhöfe, die mehr oder weniger weit voneinander getrennt 
sind; ein einziger Hauptbahnhof würde mit viel grösserer Vollkommen- 
heit und sehr viel weniger Mitteln herzustellen sein und den Verkehr 
sehr erleichtern. Noch jetzt wird in Deutschland fortdauernd daran ge- 
arbeitet, die Ergebnisse der früheren Zersplitterung zu beseitigen und 
die verschiedenen, früher selbständig gewesenen Bahnen miteinander 
enger zu verbinden und einheitliche Bahnhöfe zu schaffen. 
Noch grösser ist der Nutzen der Vereinigung für den Betrieb. 
Durch Verminderung der selbständigen Direktionen kann an Personal 
wie an Geld gespart werden. Allerdings hat dieses seine Grenze, da 
eine zu grosse Zentralisation die Uebersicht erschwert und erfahrungs- 
gemäss die Leitung beeinträchtigt. So hat man zuerst in Preussen zu 
viele der einzelnen Direktionen aufgelöst und die Leitung nach Berlin 
verlegt. In der neueren Zeit ist wiederum eine grössere Dezentralisation 
herbeigeführt, um die Zentralstelle zu entlasten. In einem grossen Bahn- 
netz, welches in einer Hand liegt, können dann die Betriebe erheb- 
liche Ersparnisse machen, indem der Wagenpark, Lokomotiven u. 8. w. 
der Gesamtheit zugänglicher, nicht auf bestimmte Bahnen angewiesen 
aind und daher nicht fortdauernd möglichst schnell zurückbefördert 
werden müssen. Hat man auch früher durch Uebereinkommen zwischen 
den verschiedenen Bahnen eine erhebliche Erleichterung des Aus- 
tausches gegen Zahlung einer Miete für die Benutzung der Wagen 
einer anderen Bahn erreicht, so bleibt dieses doch sehr unvollkommen, 
weil jede Bahn bestrebt sein muss, so schnell als möglich die ge- 
mieteten Wagen, event. auch leer, abzuschieben und die eigenen zurück- 
zuziehen. Dass ausserdem nie zu vermeidende Gegensätze und 
Reibungen zwischen den verschiedenen Privatbahnen der Gesamtheit 
nicht zum Nutzen gereichen, liegt auf der Hand. WUVeberall, wo viele 
Privatbahnen vorhanden sind, lässt sich daher auch beobachten, dass 
die konkurrierenden Bahnen nach längerem intensiven Kampf sich zu 
vereinigen streben. In England wie in den Vereinigten Staaten 
werden fortdauernd Fusionen der Bahnen herbeigeführt, und in Frank- 
reich ist längst das Bahnnetz in den Händen weniger Gesellschaften 
vereinigt. Infolge der Fusionierung haben dann die Bahnen eine um 
so grössere Macht über erweiterte Territorien, worin wiederum eine 
besondere Gefahr liegt. So lange eine gewisse Konkurrenz vorhanden 
ist, sind die Bahnen genötigt, auf das Publikum Rücksicht zu nehmen, 
fällt jene fort, so hört auch gar zu leicht diese auf. 
Vorteile des 
Staatsbahn- 
systems.
	        
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