Full text : Finanzwissenschaft (Teil 3)

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4. Durch Anleihen wird die Läst der gegenwärtigen Generation
zrleichtert und die spätere Generation zur Mitleistung herangezogen,
sowohl bei der Zinszahlung wie bei der späteren Tilgung der Schuld.
Dieses Moment fällt dort in außerordentlicher Weise ins Gewicht, wo
plötzlich sehr bedeutende Summen gefordert werden, deren Verwendung
nicht nur der Gegenwart, sondern auch der Zukunft zugute kommt.
Bei einer Staatsanleihe zum Bau einer Eisenbahn, eines Kanals, großer
Hafenanlagen, Tunnel- und Brückenbauten, von denen man annehmen
kann, daß sie noch nach hunderten von Jahren der Bevölkerung ihre
Dienste leisten werden, ist es durchaus gerechtfertigt, auch die kommenden
 Geschlechter noch zur Zahlung heranzuziehen, zu einer Leistung,
von der sie noch vollen Nutzen haben werden. Dasselbe ist der Fall,
wenn eine Gemeinde Schulden kontrahiert, um eine große Kanalisation
der Stadt durchzuführen, Straßenbahnen einzurichten und in ähnlicher
Weise wirtschaftliche Anlagen von dauerndem Nutzen zu schaffen.
Es wäre ebenso unberechtigt, hier die ganze Last dem lebenden Geschlechte
 aufzubürden, wie die Durchführung zu verschieben, bis die
nötigen Barmittel durch Steuern beschafft wären. Es wäre falsch, hier
den Segen der Kreditwirtschaft nicht zu verwerten, den die Neuzeit
zu gewähren vermag. Dasselbe ist zu sagen von dem Aufwand für
einen Verteidigungskrieg, der den Feind von den heimatlichen Grenzen
fern hält, eine Invasion vermeidet und die Unabhängigkeit des Landes
vrewährleistet.

8 71.
Die Nachteile der Staatsanleihen.
Diesen Vorteilen stehen aber bestimmte Nachteile gegenüber,
welche in der neueren Zeit vielfach nicht genügend beachtet sind:
1. Bei einer im Inlande gemachten Anleihe werden die Summen
der volkswirtschaftlichen Verwertung entzogen: sie müssen deshalb in
der einen oder anderen Weise die Volkswirtschaft benachteiligen. Das
wird so lange weniger gefühlt, als die Anleihe nur disponible Mittel
in Anspruch nimmt, welche gerade eine Anlage suchen und vielleicht
sonst in das Ausland gewandert wären, aber immerhin wird der Reservefonds
 angetastet, aus dem die Volkswirtschaft die Mittel zu neuer
Verwendung schöpfen konnte. Sind dieselben absorbiert, so liegt die Gefahr
 vor, daß die Gläubiger Dahrlehen kündigen, z. B. Hypotheken auf
Häusern, Gütern usw., und dieses wird um so mehr der Fall sein, je
günstiger die Bedingungen sind, welche der Staat gewährt; und je
knapper die disponiblen Mittel sind, um so höher wird der Staat seine
Bedingungen über den Landeszinsfuß hinaus gehen lassen müssen, um
so größer muß die Benachteiligung der heimischen Produktion werden.
Die Gelder können aber auch vom Ausland bezogen werden, wodurch
 der heimische Kapitalstock unberührt bleibt, und es wird dieses
günstig wirken, wenn nur dadurch die nötige Anlage durch den Staat
ermöglicht wird, und die bereits tätigen Kapitalien verschont werden
können. Der Nutzen wird um so größer sein, je niedriger der Zinsfuß
 des ausländischen Geldes gegenüber dem inländischen ist, und je
höher die zu erwartende Verzinsung des Anlagekapitals oder der sonstige
Vorteil der Verwendung sich herausstellt. Aber dafür liegt der Nachteil
 vor, daß das Land Fremden gegenüber durch die jährliche Zinszahlung
 tributpflichtig wird, und schließlich muß auch hier die Rück-Nanragd
 Grunmariß der Dolit. Oekonamie. IIL Teil. 4. Aufl. 17
            
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