auf den Kopf jährlich: in Serbien 99 Dinar, in Dalmatien 93 Dinar, da-
gegen in Bosnien 116 Dinar, Kroatien 159 Dinar, Slovenien 191 Dinar,
Vojvodina jedoch 355 Dinar. Der Terror entwickelt sich, geführt
von der offiziellen militärischen Geheimorganisation „Bela ruka",
mehr in allgemein-politischer und besonders antisozialistischer Rich.
tung, Um den Grad der Verfolgungswut zu bemessen, sei bemerkt,
daß das Schutzgesetz auf die bloße Propaganda kommunistischer
oder anarchistischer Ideen die Todesstrafe setzt, und daß Jugo-
slawien seit dem Kriegsende noch gar keine Amnestie für politische
Verurteilte aufweisen kann. Der schärfste nationalistische Terror
konzentriert sich auf Mazedonien, welches zwangsweise rein serbisch
werden soll, Auch bei der Volkszählung rechnet man Mazedonien
einfach den Serben zu, Für bloßes Singen bulgarischer Lieder sind
1921 Leute zu 12 Jahren Kerker verurteilt worden. Ich brauche gar
nicht zu bemerken, daß es in Mazedonien keine anderen als ser-
bische Schulen gibt. Um das Bild zu zeichnen, sei bemerkt, daß in
der strafrechtlichen Untersuchung, welche auch zu den Mitteln der
nationalen Unterdrückung gehört, Foltern angewendet werden, und
daß nicht wenig Fälle vorgekommen sind, wo der Verhaftete plötz-
lich und formlos für immer verschwindet,
Die Krone in der nationalistischen Verfolgung gebührt allerdings
Rumänien. Von den 17 Millionen der Einwohner sind nach der offi-
ziellen Statistik 72 Prozent Rumänen, dagegen in Wirklichkeit nur
etwa 65 Prozent, Man kann auch die bessarabischen Moldavaner
nicht schlechthin zu Rumänen zählen, denn sie sprechen ihren
zigenen Dialekt, bedienen sich der kyrilischen Schrift und haben ihre
eigene Kultur und Geschichte, Sie fühlen sich auch nicht als Ru-
mänen. Wenn wir sie also nicht mitrechnen, so haben wir etwa
nur 56 Prozent rumänische Bevölkerung Außer Rumänen leben im
jetzigen Romania Mare (Großrumänien) 1,8 Millionen Ungarn; 1,2
Millionen Deutsche und Siebenbürgensachsen, 0,8 Millionen Russen
und Ukrainer, 0,4 Millionen Türken und Tataren, 0,4 Millionen Bul-
garen, etwa 0,8 Millionen Moldavaner und 1 Million Juden, Von
einer Garantierung der Minoritätsrechte ist keine Rede. Es existie-
ren z. B, notwendigerweise auch nichtrumänische Schulen, jedoch
dhne Recht der Oeffentlichkeit, Die rumänische Sprache muß bevor-
zugt werden; diese Schulen dürfen keine gültigen Zeugnisse aus-
stellen, die Schüler müssen vor rumänischen Kommissionen Prüfun-
jen machen. Vor Gericht und Behörden‘ wird nur rumänisch ver-
handelt, Folterungen in der Untersuchung, Totschießen unter dem
Vorwand eines „Fluchtversuchs“” (Fall Tkatschenko), Verurteilungen
zu 15, 20 Jahren Kerker, das sind die Erscheinungen des weißen
Terrors und der Siguranzawillkür in diesem unglücklichen Lande.
Am schrecklichsten haust der nationalistische Terror im rechtswidrig
akkupierten Bessarabien und in der Dobrudscha. Da findet man seine
gröbsten Entartungen. Ganze Dörfer werden da mit Frauen und
Kindern bei der ersten besten Gelegenheit niedergemacht.
Das Angeführte genügt meines Erachtens, um Schlußfolgerun-
gen ziehen zu können. Um es uns zu erleichtern, will ich dem trüben
Bilde der nationalistischen Terrorländer noch ein Bild entgegenhalten:
die nationalen Verhältnisse im proletarischen Staate der Sowjet-
union. Es gibt kaum in der Welt ein in nationaler Hinsicht so buntes
Land wie die Sowjetunion, wo weit über 100 verschiedene Nationen