Metadata : Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

Die Unbedingtheit der „ewigen Wahrheiten“. 503

an diesem Punkte von dem Beispiel gelernt hat, das Pascals
Philosophie ihm darbot. Die universelle Vernunft ist ihm
unabhängiger als Gott selbst: der göttliche Wille ist ihr untergeordnet,
 sofern er in allen seinen Entscheidungen sie zu Rate
ziehen und gemäss ihrer Bestimmung handeln muss.®) Alle besonderen
 „Offenbarungen“ — und dies gilt insbesondere für die
sthischen Begriffe — treten jetzt zurück und unterstehen dem
Urteil der allgemeinen unverbrüchlichen Gesetzlichkeit, die sich
jedem Denkenden gleichmässig erschliesst. Man kann im einzelnen
 verfolgen, wie Malebranche, so sehr er überall sonst in
theologischen Fragen und Wendungen beflangen bleibt, an diesem
Punkte das Prinzip des Katholizismus durchbricht: wie er z. B.
gegenüber dem Institut der Beichte die Autonomie und Selbstgewissheit
 des sittlichen Urteils des Individuums betont und verfcht.
 Das Wort von der „Raison corrompue“ wird von ihm
andgiltig überwunden.®) Wenn er alle unsere Erkenntnis: an
Gott anknüpft und in ihn aufhebt, so erscheint auch dies
aunmehr in einem neuen Licht. Die Identität von Gott und
Vernunft, die damit erreicht wird, zielt nicht darauf ab, das
Denken einer fremden Autorität zu unterwerfen. Nicht dass der
göttliche Wille unbedingt verbindlich und „vernünftig“, sondern
dass die Vernunft allgemeingiltig und „göttlich“ ist, ist es, was
er zuletzt beweist, Es versteht sich aus den Zeit- und Lebensbedingungen
 Malebranches, dass er diesen Gedanken nicht völlig
zu Ende zu führen vermochte, dass ihm über der Erforschung
und Sicherung der Gesetze die Frage nach dem Gesetzgeber
niemals völlig verstummte. „Quel genre d’&tre est-ce que cette
loi et cette regle? comment subsiste-t-elle dans la matiere? quel
an est le lcgislateur? Elle est eternelle, dites vous. Concevez
lonc quele lcgislateur est eternel. Elle est nccessaire et immuable,
 dites- vous encore; dites donc aussi que le legisateur
 est n6cessaire, et qu'il ne lui est pas libre ni de former,
ai de suivre ou de ne suivre pas cette loi. Concevez que cette loi
n’est immuable et Gternelle que parce quelle est Gerite, pour
ainsi dire, en caracteres Gternels dans l’ordre immuable des attributs
 ou des perceptions du legislateur, de l’6tre infiniment parlait‘“.9)
 Wenn diese Worte auch noch immer eine innere Unsicherheit
 über die einzigartige und zentrale Geltung der Erkennt-
            
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