Object : Ursachen und Ziele des Zusammenschlusses im Gewerbe

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unterhalt  zu  gewinnen 1 ).  Darin  liegt  ja  der  große  Fortschritt  in  der  wirtschaftlichen ­
  Gesamtorganisation  der  Periode  der  mittelalterlichen  Stadtwirtschaft ­
  gegenüber  der  der  geschlossenen  Hauswirtschaft.  Zur  Zeit
der  geschlossenen  Hauswirtschaft  bildeten  die  Hausgenossen  eine  sich
selbst  genügende  Produktions-  und  Konsumtionsgemeinschaft.  Der
Produktivitätsfortschritt,  den  die  Periode  der  Stadtwirtschaft  brachte,
lag  in  der  Verselbständigung  und  Spezialisierung  der  Berufe,  in  der  Arbeitsteilung. ­
  Von  nun  ab  war  die  Gewinnung  des  eigenen  Lebensunterhaltes
in  immer  steigendem  Maße  nur  möglich  durch  wirtschaftliche  Tätigkeit
für  fremden  Bedarf.  Es  entstand  die  Erwerbswirtschaft.  Der  selbständig
gewordene  städtische  Handwerker  konnte  seinen  Lebensunterhalt  bei
voller  Gewerbefreiheit  nur  so  lange  gewinnen,  als  die  Nachfrage  stets
dem  Angebot  entsprach,  oder  es  überbot.
Die  Marktverhältnisse  im  Frühmittelalter  waren  dieser  Forderung
günstig *  2 ).  Dank  der  Gliederung  des  Volkes  in  althergebrachte  Stände:
Geistlichkeit,  Ritterschaft,  Bauer  und  Bürger,  dank  dem  zähen  Festhalten
an  Sitten  und  Gebräuchen  innerhalb  dieser  Gruppen  konnten  die  Gewerbetreibenden ­
  mit  einer  gleichmäßigen  Nachfrage  rechnen.  Es  hatten  sich
bestimmte  Bedürfnisse  herausgebildet,  die  sich  im  Laufe  einer  längeren
Periode  kaum  änderten.  Gleichzeitig  aber  wuchs  die  Kaufkraft,  diese
Bedürfnisse  zu  befriedigen.  Es  hob  sich  bis  gegen  Ende  des  Mittelalters
die  Wohlhabenheit  des  Bauernstandes  vor  allem  bedingt  durch  die  Aufwärtsbewegung ­
  der  landwirtschaftlichen  Produktion.  Der  Steigerung  der
Ertragsfähigkeit  des  Bodens,  dem  landwirtschaftlichen  Produktivitätsfortschritt, ­
  entsprach  die  Steigerung  der  Leistungsfähigkeit  im  Gewerbe,
hervorgerufen  durch  die  Arbeitsteilung,  die  Spezialisierung.  Die  Kaufkraft ­
  der  einzelnen  wuchs  zunächst  mit  der  Menge  der  Produkte,  die  sie
zu  erzeugen  und  anzubieten  vermochten.  Es  wuchs  auch  die  Kaufkraft
derjenigen,  die  indirekt  an  dem  allgemeinen  Produktivitätsfortschritt
teilnahmen:  der  weltlichen  und  geistlichen  Rentenbezieher.
Für  die  städtischen  Handwerker  zeitigte  die  gestiegene  Produktionskraft ­
  in  Landwirtschaft  und  Gewerbe  nur  so  lange  günstige  Folgen,  wie
das  Austauschverhältnis  nicht  gestört  wurde  durch  ein  Überangebot  von
gewerblichen  Erzeugnissen  oder  gewerblicher  Arbeitskraft.  Das  Angebot
vermochte  aber  im  Frühmittelalter  die  Nachfrage  nicht  zu  überholen.
Einerseits  fehlte  es  an  Arbeitskräften,  andererseits  erlaubte  der  Stand
der  Technik  nicht  eine  schnelle  Ausweitung  der  Erzeugung.
Mangel  an  Handwerkern  bildete  in  jener  Zeit  nicht  die  Ausnahme,

*)  L.  Pohle,  Der  Unternehmerstand  1910  S.  7.
2 )  Sombart  a.  a.  O.  Bd.  I  1.  Buch  6.  Kapitel.
            
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