fortschreitende Berufsteilung, Spezialisierung, die Produktivkraft und
folglich die Kaufkraft in manchen Gewerbezweigen gehoben haben, jedoch
die Kaufkraft des Partners des gesamten Gewerbes, der Landwirtschaft,
vermochte nicht Schritt zu halten. Die Leistungsfähigkeit des Landes,
das auf den städtischen Markt angewiesen war, wurde durch den Stand
der Betriebstechnik begrenzt. Die landwirtschaftliche Technik zeichnete
sich aber fast durch eine noch größere Stabilität aus wie die gewerbliche.
Somit hatten neue ländliche Käuferschichten nur aus größerer Entfernung
herangezogen werden können. Das verbot aber der geringe Entwicklungsgrad
der Transporttechnik. Wir sehen also: die agrarische Produktion
war begrenzt durch die Größe der Kulturflächen, die zum städtischen
Markt in erreichbarer Entfernung lagen; die gewerbliche Erzeugung fand
ihre Grenze in der Menge der beschaffbaren Rohstoffe und der Zahl der
Handwerker. Da aber der Rohstoffbezug zum Teil unabhängig von der
Ergiebigkeit der Landwirtschaft war, so lag die Gefahr eines Überangebots
gewerblicher Erzeugnisse nahe. Diese Gefahr wurde durch die Bevölkerungsvermehrung
verstärkt, denn sie rief nicht nur stärkeren Andrang
zu den städtischen Berufen und dadurch Vermehrung der Handwerker waren
hervor, sondern führte ohne Zweifel auch trotz der Abwanderung nach
den Städten zu einer Verdichtung der ländlichen Bevölkerung und erst
recht, als die Städte begannen, dem Andrang gegenüber ihre Tore zu
schließen. Das bedeutete aber Verminderung der Kaufkraft des Landes,
da ein größerer Teil des Ertrages auf dem Lande konsumiert wurde. Die
Entwicklung führt also nach und nach mit Naturnotwendigkeit, zu einem
Überangebot in den einzelnen Gewerbezweigen. Ein Konkurrenzkampf
der Handwerker begann und es schwand für eine wachsende Zahl die
Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu gewinnen. Die drohende allgemeine
Notlage konnte nur durch Konkurrenzregulierung beseitigt werden: die
Zunftbewegung setzte ein. Künstlich suchten die Handwerker die günstigen
Verhältnisse, die bisher bestanden hatten, wieder herzustellen,
wenigstens das Angebot mit der Nachfrage in Einklang zu bringen.
Der Erfolg der Zunftbewegung wurde wesentlich durch die Gunst
dreier Umstände unterstützt. Erstens erleichterte die Kleinheit und Geschlossenheit
des Wirtschaftsgebietes, die Tatsache, daß jedes Stadtgebiet
mit einer größeren Umgebung eine fast vollständige Produktions- und
Konsumtionsgemeinschaft darstellte, den Überblick über Angebot und
Nachfrage. Ohne sicheren Überblick ist eine Anpassung der Erzeugung
an den Bedarf unmöglich. Zweitens garantierte die Stabilität der
Technik und der Sitten und Gewohnheiten, wie wir sahen, eine weitgehende
Gleichmäßigkeit der Angebot- und Nachfrageverhältnisse.
Starke Schwankungen der Nachfrage sowie leichte Vermehrung des An