Metadata: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

142* Heinr. Franck Söhne, Ludwigsburg-Halle a. S. usw. 
Dank dieser dargebotenen Möglichkeit haben viele Arbeiter der Firma sich ein eigenes 
Häuschen bauen oder kaufen - können, und auch die nachwachsende Generation macht 
häufigen Gebrauch von dieser Einrichtung, so daß die Firma immer 2—300 000 M. zu dem 
niedrigen Zinsfuß von 2% % ausgeliehen hat. Sie erreicht damit aber auch noch einen 
andern Zweck, indem sie die meisten ihrer Arbeiter, welche früher in der Stadt wohnten, 
veranlaßte, auf das Land zu ziehen, wo ihnen die Vorteile größerer Billigkeit, höheren 
sozialen Ansehens, größere Sparsamkeit und leichtere Bewahrung der Jugend vor sittlichen 
Schäden, geboten sind. 
Aus dem hierwegen an die Arbeiterschaft gerichteten Aufruf sollen nur die nachfolgenden 
Gesichtspunkte hervorgehoben werden: 
„Auf dem Lande könnt ihr ein geachtetes Gemeinde- und Kirchenmitglied sein, 
und euch jede Stellung so gut wie andere erwerben. Ein ordentlicher, braver, fleißiger, 
sparsamer und nicht ins Wirtshaus laufender, anständiger Arbeiter oder Arbeiterin, 
ein gewissenhafter Vater, eine brave Mutter, können sich auf dem Lande viel mehr 
Ansehen und Geltung verschaffen, als in der Stadt, wo man die Arbeiter so leicht 
und ungerechterweise in einen Topf wirft. Auf dem Lande können die Frauen sich 
mit Feldbau beschäftigen, es kann eine Kuh oder ein paar Ziegen gehalten werden, 
während in der Stadt alles von dem Manne abhängt, er soll alles herbeischaffen, 
Nahrung, Kleider, auch noch die höchst überflüssigen Modehüte und so manche 
unnötigen Sachen, die auf dem Lande nicht nötig sind. Ist für die Frau nicht besser 
gesorgt, wenn das unnötige Luxusgeld in die Sparkasse wandert und einen Pfennig 
in der Not geben würde. Dadurch, daß die ganze Familie wirtschaftlich mithelfen 
kann, ist ein glückliches und zufriedenes Familienleben gesichert, der Mann wird 
mehr vom Wirtshausleben abgehalten und es wird verhütet, daß den Kindern ein 
schlechtes Exempel gegeben wird. 
Also, Frau, ziehe aufs Land und wahre deine Stellung im Haushalte, deinen 
Wert als Miternährerin und Erzieherin der Familie, wahre deine Würde! 
Denket ihr Eltern aber auch und hauptsächlich — an das sittliche Wohl 
eurer Kinder! Ist’s denn nicht leider wahr, daß die Sitten in der Stadt sehr gesunken 
sind, und daß ihr eure Kinder, wenn ihr ernstlich wollt, vor manchem Übel, das in 
der Stadt üppig wuchert, auf dem Lande bewahren könnt. Denkt, welcher Segen es ist, 
wenn die Kinder von Jugend auf an Arbeit, Einfachheit und Moral gewöhnt werden. 
Wo ist dies besser möglich und wo ein besseres Beispiel gegeben als auf dem Lande, 
wo die Arbeit den Mann macht, der Fleiß die Frau ziert, das Zusammenhalten von 
Mann, Frau und Kinder die Gemeinde ehrt und der Segen der Religion noch nicht 
zum Gespötte geworden ist. 
Also ziehet denjenigen Verhältnissen nach, die für euch passen und die euch 
das Leben erleichtern! Sehet zum allerwenigsten, daß ihr einen eigenen Acker, 
eigene Milch und eigenes Brot bekommt! 
Darum übernimmt die Firma auch einen Teil der 
FAHRGELDER für ihre Arbeiter, und denjenigen Arbeitern, welche in Orten wohnen, 
die mit der Bahn nicht zu erreichen sind, gewährt sie einen 
BEITRAG ZUM SCHUHWERK von 1,50 M. pro Monat. 
In der Ludwigsburger Fabrik befindet sich eine 
GROSSE SPEISEKÜCHE, aus welcher den Arbeitern ein kräftiges Mittagsmahl zu 
einem sehr billigen Preise abgegeben wird. Zur Herabminderung des Alkoholkonsums 
werden Kaffee, die Tasse zu 4 Pfg. und Mineralwasser, die Flasche zu 2 Pfg., verabreicht, 
und es ist damit ein sehr bemerkenswerter Rückgang des Alkoholgenusses erzielt wor 
den. Eine
	        
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