Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Heinrich IV.; Königtum und Papsttum im Kampfe. 331 
des königlichen Vertrauens; der Einfluß der Fürsten schien 
beseitigt. 
Es waren Vorgänge, welche die deutschen Fürsten bald ganz 
allgemein gegen den König einnahmen. Deutlicher gefühlt aber 
wurde die neue Lage zuerst von den sächsischen Fürsten: denn 
hier residierte der König zumeist; hier erschienen die jugendlichen 
Berater des Königs, nicht bloß sozial untergeordneten Standes, 
sondern zugleich fremden Namens: meist waren es Schwaben. 
Während aber die sächsischen Fürsten über die unfreien 
Königsschwaben höhnten und das Volk über neue wirtschaftliche 
Belastung und Rechtsbruch murrte, erhoben sich auch äußere 
Schwierigkeiten. Im Norden, jenseits der sächsischen Grenzen, 
brach im Jahre 1066 ein furchtbarer Aufstand der Abodriten 
aus. Er galt zunächst den christlichen Einrichtungen des Landes; 
der Bischof von Mecklenburg wurde dem Gotte Radegast ge— 
opfert; die Mönche von Ratzeburg wurden gesteinigt. Damit 
ging zugleich die deutschfreundliche Herrschaft Gottschalks jen— 
seits der Elbe verloren; Gottschalk selbst ward ermordet, seine 
Gemahlin nackend des Landes vertrieben. Dann aber ergoß sich 
der slawische Strom gegen Hamburg; die Stadt wurde zerstört; 
schon handelte es sich um den Schutz des deutschen Landes. Und 
hier versagte das deutsche Verteidigungssystem. Die sächsischen 
Kräfte, geteilt durch den Zwist zwischen Erzbischof und Herzog, 
vermochten nichts, und auch dem König, der sich seit dem Jahre 
1069 an den Rachezügen beteiligte, mißlang die Bestrafung 
der Slawen; die deutsche Herrschaft jenseits der Elbe war 
verloren, die sächsische Grenze blieb offen und ungedeckt. 
Inzwischen hatten sich auch im Südosten, im Thüringer— 
land, Schwierigkeiten ergeben. In dem alten Streit um die 
Thüringer Zehnten, die der Mainzer Erzbischof ebenso hart— 
näckig forderte, wie die Thüringer sie weigerten, war es zu 
neuen Zwisten gekommen, innerhalb deren schließlich die meisten 
thüringischen Großen in Verbindung mit einigen sächsischen 
Fürsten, auch mit Otto von Nordheim, dem bairischen Herzog, 
gegen den Erzbischof Siegfried von Mainz im Felde standen. 
Da mischte sich der König zu Gunsten Siegfrieds ein, zog für
	        
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