Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Entwickelung und Wesen der ritterlichen Gesellschaft. 203 
Herren im Laufe des 18. Jahrhunderts in ihren wirtschaftlichen 
Verhältnissen zurück. Sie alle waren Grundherren; sie unter⸗ 
lagen mithin den schweren Schicksalen, von denen die Institution 
der Grundherrschaften mit der emportreibenden Geldwirtschaft 
betroffen ward!: sie verarmten. Das gab dem Adel auch der 
höchsten Kreise, um wie viel mehr den Angehörigen des ein⸗ 
fachen Ritterstandes schon im 13. Jahrhundert, noch mehr im 
14. Jahrhundert einen Zug ins Kleinliche; die wenig aristo⸗ 
kratischen Eigenschaften des Eigennutzes und der Selbstsucht 
traten hervor; wirtschaftliche Erbärmlichkeit bildete die Er— 
gänzung zu dem fast noch furchtbareren Verfall auf geistigem 
Felde. 
Das 14. Jahrhundert und der größte Teil des 15. Jahr⸗ 
hunderts ha ten dann keine Besserung gebracht. Zwar wird um 
Fie Mitte des 14. Jahrhunderts ein kleiner Aufschwung er— 
kenntlich, aber er erzeugt nur ein geistloses Ceremoniell an Stelle 
der alten Etikette, er bildet eine pedantische Wappenkunst und 
die sogenannte Heroldswissenschaft aus; er bleibt im Formalen 
stecken. Die Folgezeit aber hat uns dann unter Karl IV. den 
Briefadel, unter Siegmund den Adel auf Grund von Ordens⸗ 
verleihungen gebracht, während in Frankreich und England die 
Ritterschaft infolge der großen nationalen Kriege des 14. und 
15. Jahrhunderts noch einmal eine frische Nachblüte erlebte. 
Erst mit dem Emporkeimen des Humanismus wird in Deutsch⸗ 
land die Jahrhunderte alte Versumpfung des mittleren und 
miederen Abels überwunden; nun winken neue Ideale in den 
Zielen höherer Bildung, edleren Kampfesdienstes, erneuter Teil⸗ 
nahme an dem künstlerischen Leben der Nation?; und in Kaiser 
Max ersteht in diesem alten und doch neuen Sinne der letzte 
deutsche Ritter. 
S. oben S. 8 ff., sowie Band IV S. 118 Anm. 2, S. 1109. 
2 S. Vand V I, S. 126.
	        
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