Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Drittes Kapitel. 
Geistige Rultur der Stauserzeit. 
9 
Überblickt man den allgemeinen Vorrat des Wissens und 
der Ideen, der Gemeingut der gebildeten Laienkreise des 12. 
und 13. Jahrhunderts war, so ist man immer wieder versucht, 
über dessen Dürftigkeit in Erstaunen zu geraten. Aus volks— 
tümlicher Überlieferung her war nur ein geringer Bruchteil 
jener sittlichen und intellektuellen Erfahrungssätze bekannt, die 
jetzt jedem mit der Luft der Kinderjahre zuwachsen; die Ein— 
leitungen und eingestreuten moralischen Betrachtungen der großen 
mittelalterlichen Epiker enthalten zumeist Auseinandersetzungen 
üüber Verhältnisse und Zusammenhänge, die uns ganz selbstver— 
ständlich erscheinen; so verwendet z. B. Gottfried von Straß- 
burg eine lange Ausführung an den für uns nichtssagenden Satz: 
swer des iht vor ougen hat, 
da mite der muot z2e unmuoze gat, 
daz entsorget sorgehaften muot, 
daz ist z2e herzesorgen guot!. 
Man war sich auch selbst des geringen Umfanges eigener 
Erfahrungstradition wohl bewußt; eben darum klebte man an 
der Überlieferung der höheren Erfahrungen aus der Kulturwelt 
der klassischen Völker: das ist der Sinn des charakteristischen 
Tristan 81.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.