Geistige Kultur der Stauferzeit.
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possenhaften Spielmannsepen Orendel aus der Trierer Gegend
und Salmann und Morolf aus dem südlichen Rheinfranken,
von denen namentlich das letztere sich durch burleske Späße
auszeichnet. Aus all diesen Dichtungen spricht eine schmucklos—
kräftige Anschauung, die sich landläufige Effekte zu Nutze macht;
die Darstellung ist noch formelhaft und typisch, die höfische
Grazie der Schilderung wird noch vermißt.
Gleichwohl war mit der Erhebung der Spielmannspoesie
zu der Höhe dieser Epen der Kampf zwischen Fahrenden und
Pfaffen im wesentlichen entschieden; von nun ab läuft die Ent—
wickelung dem Ziele höfischer Laiendichtung zu. Und die Spiel—
leute brachten dieser höheren Stufe, an deren Entwickelung
teil zu nehmen ihnen nur ausnahmsweise noch vergönnt war,
immerhin noch ein herrliches Erbe zu, den Schatz unseres
heimischen Heldensangs, wie er sich durch die Überlieferung der
Jahrhunderte hin, verzettelt und entstellt, und doch noch das
alte Gold großer Anschauungen und Schicksale bergend, in ihren
Händen erhalten hatte.
Wir besitzen kein einziges Zeugnis der Stauferzeit, das für
die Pflege des Heldensangs in Rheinfranken, am Niederrhein
und in Westfalen spräche. Frühere Generationen dagegen, ja
vielleicht noch die älteren Zeitgenossen Kaiser Friedrichs J.,
müssen eben hier die Sagen von Siegfried und den Burgunder⸗
königen, von Gudrun, von Walter und Hildegunt, von Hug⸗
dietrich und Wolfdietrich, ja die Dietrichsage in ihren ver—
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alten Motive der Treue und der Blutrache, des Reckentums und
der Blutsbrüderschaft, weiter entwickelt haben. Darauf drangen
dann die alten Lieder wohl spätestens mit dem Steigen des
Verkehrs seit dem 12. Jahrhundert wieder aus fränkisch-sächsi⸗
schem Gebiete heraus in den Süden und Südosten, gewiß von
wandernden Spielleuten getragen, und erhielten, am alten Orte
vergessen, eine neue Heimat zunächst in Baiern und Osterreich.
Hier endlich, in Gegenden, die sich lange gleich fern hielten
von der Einwirkung der ottonischen Renaissance wie den fran—