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Neuntes Buch. Drittes Kapitel.
zösischen Einflüssen der Ritterzeit“, fanden die alten Stoffe
litterarischen Unterschlupf. In einer Strophe, die durch eine
langsame, in ihren Einzelheiten nicht überlieferte Umbildung
aus dem System des germanischen Stabreims entwickelt zu sein
scheint, verschmolzen die einzelnen Lieder wohl schon früh im
12. Jahrhundert zu größeren, in sich mehr oder minder zu⸗
sammenhängenden Massen; und ehe die Spielleute volle Ge—
legenheit hatten, die Richtung aufs Burleske ihrem Inhalt
einzuverleiben, müssen sie beherrschend in den Gefichtskreis der
höheren, mittlerweile ganz zum Rittertum entwickelten Gesell—
schaft getreten sein.
Hier erhielten sie dann nach dem Muster der mittlerweile
völlig entfalteten deutsch-französischen Romane, jener Dichtungen
unserer größesten Meister um die Wende des 12. und 13. Jahr⸗
hunderts, die früh nach sterreich drangen, die Bearbeitung,
in der sie unseren Tagen erhalten sind. Die hergebrachte Form
wurde dabei nicht zerschlagen, und auch inhaltlich sind gelegent⸗
lich ganze Körper längst vorhandener Lieder aufgenommen worden,
erscheinen die Hauptcharaktere der Handlung in ihrem Thun und
Lassen wie die sie umgebenden Verhältnisse als eine Erbschaft
längst verschwundener Zeiten. Aber dieser Stoff, wie er in
einzelnen Liedern vorlag, wurde durch Einschiebung und Ab—
rundung immerhin zu einer Masse verbunden, deren Kitt überall
höfischen Charakter aufweist. Da tritt neben den alten Schatz
epischer Formeln und den raschen, bilderarmen Fluß der Er—
zählung in den älteren Bestandteilen die breit schildernde Manier
des Ritterromans, und Phrasen höfischer Konvenienz finden sich
gelegentlich in der kurz angebundenen Rede alter Recken:
es ist als ob ein moderner Baumeister hehre Ruinen einer fernen
Vorzeit für den Gebrauch des Lebens der Gegenwart ausgebaut und
vervollständigt hätte. So weht wohl der Hauch des Roman—
tischen über diesen Dichtungen, und eben der ihnen einverleibte
Gegensatz des Denkens völlig verschiedener Zeitalter kann auf
In HÖsterreich dringt die Bearbeitung französischer Stoffe erst um
12154220 mit der Krone Alrichs von Türlin, und auch dann nur ver⸗
einselt, ein.