Deutsche Erfolge i. äußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1300. 399
entbunden, den alten Machtbereich zurückzuerobern strebte. Allein
die furchtbare Schlacht auf der Heide von Bornhövede, 1227,
machte diesen Plänen ein Ende: hier erfocht das fürstliche, ad⸗
lige, bürgerliche und bäuerliche Norddeutschland noch einmal
„oͤllkommen geeint die Freiheit vom dänischen Joch: nun
aren die Eroberungen Heinrichs des Löwen auf slawischem
Gebiete gesichert, erweitert, von den Deutschen der eroberten
Länder selbst im Kampfe behauptet. Die große Zeit Lübecks, eine
Expansion der Deutschen überhaupt über alle Ostseeländer beginnt.
Am frühesten mußten diese Ereignisse einwirken auf die
schon bestehende deutsche Kolonie in Livland. Fast gleichzeitig
mit der Schlacht von Bornhövede hatten die Deutschen auch hier
namhafte Vorteile errungen; im Jahre 1226 hatten sie sich
die wilden Bewohner der Insel Hsel unterzwungen, bald
darauf gingen sie, von Qübeck unterstützt, gegen Reval vor und
zroberten die Burg; den dänischen Rittern und Bischöfen blieb
nichts übrig, als das Land zu verlassen. Nun rettete zwar
König Waldemar in späteren Verhandlungen noch einen Teil
Estlands für seine Herrschaft; noch über ein Jahrhundert haben
die Dänen am finnischen Meerbusen geherrscht. Aber die Deutschen
hatten hier jetzt gleichwohl die Aussicht der größeren Zukunft —
und schon waren die Anfänge eines neuen deutschen Staates
in ihrer Nähe, im Mündungsgebiete der Weichsel, emporgediehen,
eines Staates, der das livische Land der Schwertritter bald
uͤberholen und sich einverleiben sollte, dem die Herrschaft be—
schieden war über alle fremdsprachigen Völker des süd—
lichen Ostseerandes bis zur Oder, des Staates des deutschen
Drdens.
IV.
In dem Lande zwischen Weichsel und Memel, zwischen
den sandigen Nerungen des Frischen und des Kurischen Haffs
und der Kette von Landseen und Urwäldern, die sich teilweis
noch heute von Marienwerder in Halbmondform östlich durch
Masuren hin zum Memelflusse erstrecken, wohnten die Preußen.
Fs war ein in mehrere Stämme und viele Völkerschaften zer—
fallendes Volk, das etwa noch auf der Kulturstufe der Germanen