Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Deutsche Erfolge i. üußersten Osten; Schicksale d. Kolonisation bis 1500. 400 
Küste vom finnischen Meerbusen bis zum vorspringenden Ge— 
stade Pomerellens, fast die volle Hälfte der südlichen Küsten— 
entwickelung des Ostseebeckens, zu gewinnen und zu beherrschen. 
Hierzu bedurfte es vor allem einer territorialen Verbindung 
zwischen den Gebieten der beiden nun vorhandenen Zweige des 
Ordens, des preußischen und des livischen. Mitten unter den Auf— 
ständen einzelner Preußenvölker und den widerwärtigen Zwischen— 
wirkungen des neidischen Fürstenhauses von Pomerellen ward sie 
vorbereitet und kurz nach der Mitte des 18. Jahrhunderts ins 
Werk gesetzt: 1251 ward die Memelburg auf den kontinentalen 
Dünen gegenüber der äußersten Zunge der kurischen Nerung 
erbaut als Treffpunkt der livischen und preußischen Ritter. 
Dem folgte die volle Unterwerfung Samlands; im Jahre 1254 
ward am nördlichen Pregelufer auf der Anhöhe Tuwangste 
Königsberg begründet als Zwingburg der nördlichen Meeresvölker 
vielleicht zu Ehren König Otokars II. von Böhmen, der in diesem 
Jahre, wie viele deutsche Fürsten vor ihm, die Anstrengungen 
des Ordens durch kriegerischen Zuzug unterstützt hatte. Gleich— 
zeitig gelang es auch, in diplomatischen Verhandlungen mit 
Polen Galindien, das Centralland der masurischen Seenplatte, 
zu gewinnen; es war das letzte noch fehlende Gebiet des alten 
Preußenlandes. Nach nicht ganz einem Menschenalter auf— 
reibender kriegerischer und diplomatischer Thätigkeit konnte der 
Orden sich als Gebieter der Preußen, Kuren, Liven und Letten 
hetrachten. 
Aber noch fehlte viel, daß dieser Besitz als auch nur 
militärisch voll gesichert bezeichnet werden konnte. In wütenden 
Aufständen erhoben sich namentlich die Preußen gegen die 
freinde Zwingherrschaft, sobald ein äußeres Unglück des Ordens 
zu neuen Hoffnungen zu berechtigen schien. Die sechziger und 
leilweise noch die siebenziger Jahre des 13. Jahrhunderts sind 
erfüllt von wüsten Kriegszügen und Handlungen wilder Grau—⸗ 
samkeit; sie beginnen mit einer sizilianischen Vesper gegen alle 
Christen im Lande, sie enden mit der völligen Ausrottung, 
Verknechtung oder Vertreibung der Preußen in fast allen Stätten
	        
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