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Rohstoffe und Erzeugnisse der Spiritusfabrikation.
Wonnen sind, nicht als „echte“ oder gar „französische Kognaks“ verkauft oder feilgehalten
werden.
Das Verschneiden hezw. Verlängern von Kognak (auch Rum, Arrak und allen
Edelbranntweinen) mit Sprit, sei es mit oder ohne Zusatz von künstlichen Essenzen, ist
ohne Angabe dieser Behandlung selbstverständlich als Verfälschung anzusehen. Auch
dürfen künstliche Gemische von Sprit mit Essenzen nur als Fagon-oder Kunst-Kognak
(Pagon- oder Kunst-Rum hezw. -Arrak) verkauft und feilgehalten werden. Selbst
verständlich muß auch die Bezeichnung der übrigen Edelhranntweine den
verwendeten Rohstoffen entsprechen. Wenn man den Kognak nach den vor
stehenden Ausführungen als ein Erzeugnis der Weiudestillation bezeichnen kann, versteht
man unter Trester- und Hefen-Branntwein die durch Vergären der Weintrester (mit
und ohne Zusatz von Zucker) und durch Destillation hezw. die durch Destillation der Wein
hefe gewonnenen Erzeugnisse.
Zwetschen-Branntwein (Slivowitz oder Slibowitz) ist ein Erzeugnis aus ver
gorenen Zwetschen, Kirsch-Branntwein ein solches aus vergorenen Kirschen.
Der Rum wird hauptsächlich in Westindien durch Destillation der vergorenen
Zuckerrohrmelasse und Zuckerrohrrüokstände, der Arrak entweder aus Reis (Java) oder
aus dem Saft der Blütenkolben der Kokospalme durch Vergärung und Destillation ge
wonnen.
Zum Nachweise der Echtheit dieser Getränke sind verschiedene Vorschläge
gemacht worden:
a) Das Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Bestandteile betreffend.
Nach H. Struve 1 ) soll z. B. ein Kognak, der Cholin enthält, ein Kunsterzeugnis sein; da
aber dem echten Kognak häufig Süßwein zugesetzt wird, so ist diese Annahme nicht richtig. * 2 )
Von anderer Seite ist behauptet, daß das Fehlen von Furfurol in einem Kognak auf ein
Kunsterzeugnis hinweise. Das Furfurol ensteht in den Edelbranntweinen erst hei der
Destillation durch Überhitzen — vorwiegend über freier Flamme •— aus gewissen nicht
flüchtigen Maischehestandteilen und findet sich hauptsächlich im Nachläufe, ganz gleichgültig,
aus welchen Rohstoffen die Maische hergestellt wurde. Es findet sich recht häufig im Kognak
und anderen Edelbranntweinen, aber es fehlt auch nicht selten 3 ) darin, weshalb daher auch
diese Annahme unhaltbar ist.
Vom echten Rum ist behauptet, daß das Vorkommen von freier Ameisensäure
■auf ein Kunsterzeugnis schließen lasse; da aber nach vielen Untersuchungen echter Rum
■ebenfalls freie Ameisensäure enthält und davon frei sein kann, so ist daher weder aus der
An- noch Abwesenheit freier Ameisensäure im Rum ein Schluß auf seine Echt- oder Un
echtheit zu ziehen.
b) Der Gehalt an Nebenbestandteilen der Gärung und Destillation, an
den sog. alkoholischen Verunreinigungen z. B. Säuren, Säureestern, höheren
Alkoholen, Aldehyden insgesamt, Furfurol und Basen betreffend. Die Basen und
Furfurol läßt man in der Regel unberücksichtigt, da ihre Menge meistens sehr gering ist.
Von diesen Bestandteilen bilden sich die Säuren der Menge nach vorwiegend hei
der Gärung der Maischen, und von ihrer Menge ist auch die der Ester abhängig; aber
nicht immer entspricht eine große Menge Säure einer großen Menge Ester und umgekehrt.
Kranke und fehlerhafte Weine liefern durchweg Destillate mit hohem Gehalt an flüchtigen
Säuren. Auch die Ester bilden sich anscheinend vorwiegend in der Maische und ist das
Verhältnis zwischen Säure und Estern hauptsächlich von der Destillation abhängig. Der
Acetaldehyd entsteht ohne Zweifel durch Oxydation aus dem Äthylalkohol. Über die
Entstehungsweise sonstiger Aldehyde und der höheren Alkohole ist bis jetzt nichts Näheres
bekannt. Die höheren Alkohole und Aldehyde werden von den Ärzten für besonders
!) Zeitschr. f. analyt. Chemie 1902, 41, 284.
2 ) Vergl. auch M. Mansfeld, 14. Jahresbericht der Unters.-Anstalt des allgem.
österr. Apoth.-Vereins für 1901, S. 4.
3 ) Vergl. W. Lenz, ferner Th. Wetzko, Zeitschr. f. öffentl, Chemie 1899, 5, 258;
1900, 6, 399 und 1901, 7, 11.