462 Dreizehntes Buch. Drittes Kapitel.
freilich welcher Art! König Georg Podiebrad von Böhmen
mischte sich im Jahre 1460 besonders energisch in die deutschen
Händel; er trat auf die Seite der Wittelsbacher; er stellte ernst⸗
lich seine Kandidatur zum römischen König auf, derweilen dem
Kaiser nur sein Titel ohne wirkliche Amtsgewalt verbleiben sollte;
ja schon Oktober 1400 sprach er von Friedrich III. als herrn
Fridrichen herzogen zu Osterreich, der sieh nennet Ro-
mischer keiser. Es waren Ansprüche, die den deutschen Ge⸗
schicken eine andere Wendung geben konnten.
Indes ehe sie weiter entwickelt werden konnten, kam es
zwischen den deutschen Fürstenparteien zum Kriege. Am Rhein
und in Oberfranken begegnete man sich feindlich; an beiden
Stellen siegten die Wittelsbacher, doch ohne durchschlagenden
Erfolg; für die Beilegung der oberfränkischen Zwistigkeiten
mußten sie sogar teilweis König Georg von Böhmen als Schieds⸗
richter anerkennen. Waren sie unter diesen Umständen kräftig
genug, die Reichsreform durchzuführen, selbst wenn sie dazu noch
bereit gewesen wären? Der Gedanke der Reichsreform trat zurück,
um so mehr, da der Kaiser ihn nun erst recht verabscheute.
Um so mehr glaubte die öffentliche Meinung seit der
Thronbesteigung Pius' II. (1458 -64) wieder an die Möglich⸗
keit einer Kirchenreform. Pius II., der frühere Enea Silvio,
galt als aufgeklärter Humanist: er würde die Konzessionen ge⸗
währen, welche die Zeit forderte. Wie hatte man sich getäuscht!
Pius kannte und hatte nur erstrebt das Gefühl der Macht;
von ihm aus handelte er. Er wünschte keine Reformen, sondern
jede Erhöhung der steigenden Gewalt des Papstes; in dieser
Gesinnung erließ er am 18. Januar 1460 die Bulle Exccrabilis,
die jede Appellation vom römischen Stuhl an ein allgemeines
Konzil als ketzerisch brandmarkte.
Der Erfolg der Bulle wie verwandter Maßregeln der
Kurie war in Deutschland unerwartet: schon begann sich im
Reiche die religiös-revolutionäre Stimmung anzukuündigen, die
aus getäuschter Langmut heraus schließlich zur Reformation
Luthers geführt hat. Ein Reichstag zu Nürnberg brachte in
der Erneuerung des Kurvereins, in der Drohung mit einem