Full text : Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

332 Fünfzehntes Buch. Zweites Kapitel.

in Kreisen, die er sonst verabscheute; am Schlusse der Prädones
bringt er es über sich, sich symbolisch einen Angestellten des
Hauses Fugger zu verbinden; der Gedanke eines gemeinsamen
Vorgehens von Städten und Adel gegen Fürsten und Pfaffen
schlummert in der Tiefe seiner Pläne.
War nun bei solchen Anschauungen mit Sicherheit auf die
moralische Unterstützung der Reformation, auf die Billigung
Luthers zu rechnen?
Seit der Leipziger Disputation hatte Hutten mit Luther
Verbindung gesucht. Im Beginn des Jahres 1520 hatte er
sie durch Vermittlung Melanchthons gefunden. Aber zu einem
innigen Verständnis beider Männer führte sie nicht. Luther
traute Hutten nicht; er lehnte das Anerbieten eines Asyls durch
Sickingen nicht minder ab, wie im Juni 1520 das gleiche An—
erbieten seitens des fränkischen Ritters Silvester von Schaum⸗
burg; niemals hat er die revolutionären Ziele des Adels ge—
billigt. Fuür ihn galt der Satz „Durchs Wort ist die Welt
überwunden, durchs Wort die Kirche errettet, durchs Wort
wird sie auch reformiert werden!“: er wollte nichts wissen von
Aufruhr und Empörung: „Wenn Herr Omnes aufsteht, der
vermag Unterscheiden der Bösen und Frommen weder zu treffen
noch zu halten, schlägt in den Haufen, wie es trifft, und kann
nicht ohne großes gräuliches Unrecht zugehen.“
So ging die revolutionäre Strömung des Adels der Unter—⸗
stützung der Reformation verlustig; es zeigte sich, daß die
sozialen Bestrebungen der Ritter nur einer Kirchenreform be—
durften, deren Verwirklichung der Glaubensreform Luthers als
nebensächlich, ja falls eine tiefere Wandlung der Herzen aus—
blieb, als unsittlich erscheinen mußte?.
Aber die Ritterschaft ließ sich durch diese moralische Nieder⸗
lage nicht aufhalten. Immer unerträglicher war ihre wirt—
schaftliche Lage geworden; immer verbitterter sah sie sich auch
unter dem neuen Regiment politisch zurückgestellt; immer ver—

Brief an Spalatin vom 16. Jan. 1521.
S. dazu mit Rücksicht auf die Person Huttens schon oben S. 202.
            
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