Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

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Vierzehntes Buch. Erstes LKapitel. 
letzte Hafen der habsburgischen Besitzungen, auf dessen Be— 
herrschung Friedrich III. noch zäh gehalten hatte. 
Dem Kaiser blieb nichts übrig, als auf eine Reichshilfe, die 
ein „eilender Reichstag“ gewähren sollte, zu hoffen und inzwischen 
mit Venedig einen Waffenstillstand zu schließen. Und als sich 
das Reich ihm, wie vorauszusehen war, versagte, da mußte er 
erkennen, daß eine Durchführung der italienischen Pläne allein 
mit der Kraft seiner Hausmacht nicht möglich sein werde: 
der erste Schritt gegen Italien war mißlungen. 
In dieser Lage zeigte sich dem Kaiser von anderer Seite 
her ein freilich nach allem Früheren demütigender Ausweg 
aus den Schwierigkeiten, in die seine Politik ihn verstrickt 
hatte. 
Sein Sohn Philipp von Castilien war am 28. September 
1506 zu Burgos vorzeitig gestorben. Damit waren dessen 
Rechte übergegangen auf seine beiden Söhne, Karl, den nach⸗ 
maligen Kaiser Karl V., und Ferdinand, den späteren Kaiser 
Ferdinand J.; und als ihr Vormund hatte Maximilian diese 
Rechte zunächst zu überwachen. Er hatte in dieser Eigen— 
schaft die Regierung der Niederlande, des ihm am nächsten 
liegenden Teils der großen Erbschaft Philipps, mit Ein— 
willigung der Stände am 22. April 1507 seiner Tochter, 
der klugen und feingebildeten, politisch überaus begabten 
Erzherzogin Margarethe übergeben. Dadurch wurden nun die 
Niederlande zu einem eigenen politischen Centrum in nächster 
Verbindung mit Kaiser Max. Andererseits aber sah Marga⸗ 
rethe bald ein, daß sie die Lande nur im Einvernehmen 
mit dem stets intriguensüchtigen Frankreich in gutem Frieden 
werde regieren können. Sie drang daher, zunächst von nieder— 
ländischem Standpunkte aus, zur Verständigung mit demselben 
Frankreich, mit dem Kaiser Max seit den ersten Anfängen seiner 
oolitischen Selbständigkeit in dauerndem Gegensatz gelebt hatte. 
Aber war es jetzt, nach dem italienischen Mißerfolg, nicht auch 
für Max politisch richtig, sich mit Frankreich zu stellen? Würde 
nicht ein verständiges Zusammengehen zwischen Ludwig XII. 
und dem Kaiser erlaubt haben, Italien unter beide Herrscher
	        
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