Object: Bevölkerungslehre

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7. Kap. Die Bevölkerungslehre in ihrer Entwicklung seit R. Malthus 211 
Boden geteilt und der Mensch selbst freier wird“ *). Dieser Faktor‘ 
den Carey als das selbstregulierende Bevölkerungsgesetz bezeichnet, 
muß immer wieder auf die Herstellung eines Gleichgewichts hin- 
wirken. Wenn die Menschen sich vermehren sollen, so muß sich 
auch ihr Nahrungsvorrat vermehren. „Soll sich aber der letztere ver- 
mehren, so müssen umgekehrt auch die Menschen an Zahl zunehmen; 
denn nur durch die Mittel der Kombinationskraft wird der Mensch instand 
gesetzt, die Kräfte der Erde zu beherrschen und zu leiten, und aus der 
Lage eines Sklaven der Natur zu der ihres Gebieters überzugehen. Die 
Bevölkerung bewirkt, daß man Nahrungsmittel von den fruchtbareren 
Ländereien nimmt, unter steter Erhöhung der Arbeitserträge“ 2). Diese 
Auffassung beruht auf seiner Anschauung, mit der er vor allem die 
Ricardo’sche Differentialgrundrententheorie bekämpft, daß die 
Menchen zuerst die schlechten, leichter bestellbaren Böden bebaut hätten 
und dann erst mit wachsender Associationskraft zu den besseren 
schwerer bestellbaren Böden übergegangen seien. „Je vollkommener 
die Leichtigkeit der Association ist, desto größer ist ihre Kraft, 
Forderungen an die Schatzkammer der Natur zu stellen und desto 
größer ist die Quantität von Nahrungsmitteln und anderen Roh- 
materialien, die für eine gegebene Arbeitsquantität gewonnen wird“ ®). 
Für Carey bedeutet steigende Bevölkerung unter allen Umständen 
eine entsprechende Vergrößerung des Nahrungsspielraumes. Als 
eine Theorie des ewigen Fortschritts hat A. Held diese Bevölkerungs- 
lehre bezeichnet *). 
Ähnliche Grundlagen wie die Bevölkerungslehre Careys hat 
diejenige Bastiats, des geistigen Führers des Manchestertums, 
der ja auch in einer gewissen Abhängigkeit zu Carey stand. Die 
Manchesterschule ist diejenige Richtung des ökonomischen Denkens ®), 
die wieder an die optimistischen Anschauungen von A. Smith an- 
knüpft und die auch deshalb sich mit allem Nachdruck gegen das 
Malthus’sche Bevölkerungsgesetz wendet. Bastiat, dessen Anschau- 
ungen über das Bevölkerungsproblem nicht ganz gleichartig sind, 
will die Menschen auf ein trostreicheres Gesetz verweisen: „Unter 
sonst gleichen Verhältnissen ist die wachsende Dichtigkeit der Be- 
völkerung gleichbedeutend mit einer zunehmenden Leichtigkeit der 
1) Lehrbuch a, a, O., S. 612. 
Na. a. OO, S. 617. 
3 aa O0, S. 627. 
') A. Held, Careys Sozialwissenschaft u. d. Merkantilsystem, 1866, S, 1. 
”) Eingehender darüber Mombert, Geschichte der Nationalökonomie, S. 3309 ff 
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