Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 527 
eine Aufsichtsinstanz, ohne deren Einwilligung sogar keine 
Gemeindeversammlung einberufen werden durfte. 
Zieht man jetzt aus dieser Behandlung der Autonomie der 
einzelnen Ständemitglieder, des Adels wie der Bürger, das 
Fazit, so ergibt sich, daß ein Einfluß der Dynastie auf den 
ständisch wichtigen, ja ausschlaggebenden Adel auf diesem Wege 
kaum gewonnen wurde, während die Eingriffe gegen die 
ständisch weniger bedeutenden Bürgerschaften so groß waren, 
daß deren Entwicklung in keinem Falle gefördert, sondern eher 
unterdrückt wurde. 
Allein daneben ließ sich nun auf die Stände auch noch auf 
einem anderen Wege anscheinend weit energischer einwirken: 
durch Beschneidung der oberen ständischen Verwaltung. Und 
hier waren es, wie wir schon hörten, vor allem zwei Materien, 
die dabei zu fürstlichen Eingriffen Anlaß geben konnten: das 
Kriegswesen und die Finanzen. 
Die mittelalterliche Kriegsverfassung hatte in Ögsterreich, 
wie überall in Deutschland, dem Herrscherhause zwei Kategorien 
von Kriegern zur Verfügung gestellt, die der Kriegsverfassung 
der Urzeit und der des Lehnstaates entsprachen: das allgemeine 
Aufgebot und die Vasallen. Beides aber waren Formen der 
Wehrverfassung, die sich mit Ausgang des 185. Jahrhunderts 
immer mehr als veraltet ergeben hatten. Das Aufgebot diente 
wesentlich nur der Landesverteidigung; Kaiser Maximilian J. 
aber und seine Nachfolger führten vielfach Angriffskriege und 
suchten auch die Verteidigung des Landes nach Osten zu gern 
im Angriff. Das Vasallenheer seinerseits war nur gegen 
Vasallenheere brauchbar; Kaiser Maximilian J. aber führte 
wichtige Kriege gegen Venedig, in denen ihm weit überlegene, 
gut disziplinierte Söldnerheere gegenübertraten. 
Unter diesen Umständen begriffen Stände und Fürsten 
zugleich, daß der Übergang zu Söldnerheeren unausweichlich 
war; und schon im 16. Jahrhundert wurde darum die Ein— 
berufung des Vasallenheeres auf seltene Fälle beschränkt, um 
zu Anfang des 17. Jahrhunderts gänzlich zu schwinden. Statt 
dessen hat dann schon Maximilian J. die Söldnertruppe der 
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