Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

430 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
zerfiel, die Glückstädtische und Gottorpische, und daß von 
biesen die Gottorpische Linie in den Herzogtümern bald eine 
ziemlich selbständige Landesgewalt begründete. Für die politi— 
schen Interessen Dänemarks aber blieb, nach der Auflösung 
der nordischen Union und nach dem Aufkommen der Wasas, 
der politische Blick gleichwohl wesentlich sudwärts gewandt; wir 
wissen, wie seine Könige deutsche Bistümer zu erwerben suchten, 
wie namentlich Christian IV. in die Kämpfe des Dreißig⸗ 
jährigen Krieges eingriff. 
Freilich: wie hatte über Dänemark hinweg schließlich erst 
Schweden nach Süden ausgegriffen! Im Anfange war es 
dabei noch immer auf den Widerstand der Hanse gestoßen. 
Denn war auch deren Macht seit den unglücklichen Tagen 
Wullenwevers und der sogenannten Grafenfehde (163436) 
Dänemark gegenüber in schwer aufzuhaltendem Verfall, so er⸗ 
schien sie doch in den östlichen und nördlichen Beziehungen 
nnerhalb des Ostseebeckens erst wenig erschüttert. 
Aber in diesen Gebieten hatten inzwischen Ereignisse der 
zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, wie sie das erste ent⸗ 
scheidungsvolle Auftreten der Russen an den Gestaden der 
Ostsee veranlaßte, einen bedauernswerten Ausschlag gegen die 
deutschen Interessen gegeben. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts 
hatte im livländischen Ordensstaate, in den Gebieten des 
Schwertritterordens Ruhe zu herrschen begonnen, denn die 
Russen waren um diese Zeit der Zwingherrschaft der mongo— 
lischen Ordà unterlegen. Dementsprechend hatten denn die 
Hansen seitdem einen einfachen und bequemen Verkehr nach den 
stolzen Handelsrepubliken von Nowgorod und Pskow gehabt, 
und Vermittler dieses Verkehres waren vornehmlich die drei 
großen Städte des deutschen Gestadegebietes, Riga, Reval und 
Dorpat, gewesen. Aber im Verlaufe des 15. Jahrhunderts 
hatten die Russen sich gegen die Horde zu erheben begonnen. 
Eine skrupellose Finanzpolitik, wie sie Iwan Kalita betrieb, 
lieferte die Mittel zu innerer Sammlung; unter Iwan III. 
Wassiljewitsch (14621505) wurde die Selbständigkeit errungen. 
Und Iwan zog zugleich die ersten Linien einer künftigen
	        
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