Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 107 
ergeben haben, blieb er dabei für die Fugger noch immer 
um eine Million hinter der Wirklichkeit zurück; die Welser 
und Paumgartner dagegen sind wohl von ihm überschätzt 
worden. Das Schicksal dieser großen Geldkapitalien des 
16. Jahrhunderts klärte sich nun um etwa 1530 durch 
italienische Vorgänge. Der Sieg des Hauses Hsterreich in 
Italien trieb damals das Florentiner Kapital, das immer schon 
große Neigung in dieser Richtung gehabt hatte, völlig in das 
französische Lager, während das Genueser Kapital sich auf die 
kaiserliche und spanische Seite stellte. Dementsprechend wurden 
die Florentiner Bankiers binnen kurzem in Neapel und Rom 
von den Genuesen, in Antwerpen durch die Genuesen und die 
Oberdeutschen, in London durch englische Kaufleute verdrängt. 
Hiermit hängt es zusammen, wenn eine englische Denkschrift 
vom Jahre 1564 berichten konnte: „Es ist noch nicht viel 
länger denn dreißig Jahre her, daß es in Antwerpen nicht 
mehr als zwei oder drei Kaufleute gab, die Geld auf Zinsen 
ausliehen, und diese konnten aus ihren eigenen Mitteln kaum 
20000 L. fl. oder 80000 Taler hergeben; jetzt dagegen gibt 
es dort 30 oder 40 große Kaufleute, die 300 000 L. ohne Be— 
lästigung für ihr sonstiges Geschäft verleihen können.“ Und 
all diese für die damalige Zeit überaus großen Kapitalien 
stellten sich nun je länger je mehr dem kriegerischen Ehrgeize 
der großen Fürsten, vor allem der spanischen und englischen, 
zur Verfügung — während sich inzwischen Lyon, namentlich 
imter dem Einfluß der Florentiner, zu einer Börse besonders 
des Königs von Frankreich entwickelt hatte. 
Es waren Zusammenhänge, die etwa seit 1642 den Höhe— 
vunkt ruhiger und kräftiger Entfaltung erreichten. Denn jetzt 
folgte ein Jahrzehnt (bis 1551/52 etwa), in dem Lyon und 
Antwerpen alle größeren Geldgeschäfte, die etwa noch in Augs— 
burg, Genua oder Florenz gemacht wurden, an sich zogen: so 
daß die beiden Städte nunmehr ganz und gar als Zentren des 
großen internationalen Geldverkehrs, als eigentliche Kapial— 
märkte Europas erschienen. 
Zugleich aber war der große Geldverkehr damit ganz fis—
	        
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