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Zweiundzwanzigstes Buch.
sich noch einige Mailänder und Toskaner, später auch Venetianer
in wechselnder Zahl beteiligt. Bedeutete das für die Deutschen
an sich schon eine Abdrängung selbst von dem spanischen Geld⸗
handel, so haben sie doch trotzdem immer wieder an diesem teil—
genommen, wenn auch unter steigenden Verlusten. Schon die
Jahre 15711574 haben eine weitere Reihe bedeutender Bank—
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Handlungen beschaffen sind, bedeuten für uns 100000 Kronen
soviel wie vor Jahren eine Million.“ Allein damit stand die
'allende Entwicklung noch nicht still. In den ersten zwei Jahr⸗
zehnten des 17. Jahrhunderts häuften sich vielmehr die Bank—
rotte derart, daß nur noch wenige Häuser von Bedeutung übrig
blieben. Vor allem Augsburg und Nürnberg litten jetzt und
haben sich von diesen Schlägen auf lange nicht mehr erholt.
Mußten doch selbst Häuser wie das der Welser liquidieren.
Mit der Nationalisierung des französischen Finanzwesens
durch Colbert ist dann endlich das letzte Feld verloren ge—
gangen, das dem internationalen Geldhandel der Deutschen
noch verblieben war. Es war zur selben Zeit, da in Spanien
die traurigen Überreste des Fuggerschen Geldhandels zu Grabe
gingen.
Gesamtergebnis dieser traurigen Entwicklung war schließ—
lich, daß von dem deutschen Großkapital so gut fast wie nichts
mehr übrig geblieben war. Um welche Verluste es sich dabei
selbst für weniger bedeutende Firmen schon gehandelt hat, zeigt
z. B. das erhaltene Handlungsbuch der Neidhardtschen Erben.
Danach hatte diese Firma 1564 Forderungen an den französischen
Hof von ca. 630 000 Livres, an den König von Portugal von
ca. 120000 fl., dazu große Forderungen an den Kardinal von
Lothringen und den Herzog von Guise, an den Infanten
Don Carlos und den Herzog von Florenz: das ganze Ver—
mögen der Firma, das sich Ende 1570 auf fast s Million fl.
bezifferte, bestand fast nur in schließlich uneinbringlichen Aus—
ständen.
Was aber von großen kaufmännischen Kapitalien trotzdem
in einzelnen Resten noch erhalten war, ist bald darauf im