Object: Theoretische Sozialökonomie

518 Kap. XVI. Einfluß der Konjunkturen auf die Produktionsmittel. 
und während. der ganzen Hochkonjunktur fortgesetzte Steigerung der 
Produktion von Produktionsmitteln über das normale Maß hinaus 
schafft überhaupt die Hochkonjunktur. 
Wir haben schon an einem Beispiel gesehen, daß die Depressions- 
periode veraltete Produktionsmittel ausmustert, sie durch. neue und 
bessere ersetzt und somit die durchschnittliche Produktivität steigert. 
Es ist von großem Interesse, diese Veränderungen bei der Roheisen- 
produktion, die ja die wichtigste Grundlage der‘Produktion von festem 
Kapital ist, zu beobachten. 
Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Hochöfen im letzten Men- 
schenalter wesentlich vergrößert worden sind. Diese Veränderung hat 
sich durch einen ständigen Neubau von Hochöfen und ein Ausmustern 
überalteter Hochöfen vollzogen. Diese Entwicklung ist aber keine 
gleichmäßige gewesen. Das Niederreißen alter Hochöfen hat offenbar 
vorzugsweise in den Depressionsperioden stattgefunden. In den Hoch- 
konjunkturen war man öfters genötigt, Hochöfen, die in der Depression 
außer Betrieb waren, wieder in Dienst zu nehmen, auch wenn sie Viel- 
leicht schon als veraltet betrachtet werden mußten. 
Die deutsche Gewerbestatistik gibt neben der Gesamterzeugung 
von Roheisen auch die Betriebsdauer der Hochöfen, d. h. die Gesamt- 
zahl der Wochen, in denen Hochöfen im Jahre im Betrieb waren. Man 
kann also die durchschnittliche Roheisenerzeugung pro Betriebswoche 
berechnen. Wenn die so gewonnenen Zahlen mit 52 multipliziert werden, 
bekommt man Zahlen, welche als Maß der durchschnittlichen Jahres- 
produktionsfähigkeit der in Betrieb gewesenen Hochöfen unter Voraus- 
setzung stetigen Betriebs durch das ganze Jahr gelten können (Tab. 9). 
Die so berechnete Produktivität der deutschen Hochöfen steigt in der 
Periode 1872 bis 1909 von 7560 Tonnen bis auf 51320. Diese Steigerung 
fällt aber wesentlich auf die Depressionsperioden. Man kann in der 
ganzen Periode etwa 19 schlechte und 18 gute Jahre rechnen. In den 
schlechten Jahren ist die Produktivitätszahl durchschnittlich um 
1555 Tonnen, in den guten Jahren dagegen nur um 789 gestiegen. 
Dies erklärt sich daraus, daß die veralteten Hochöfen ganz überwiegend 
in den Depressionsperioden außer Betrieb gesetzt oder definitiv ver- 
lassen worden sind. Der Neubau von Hochöfen scheint gleichmäßiger 
betrieben worden zu sein. Der Umstand, daß in den Hochkonjunkturen 
mehr oder weniger veraltete Hochöfen wieder in Betrieb gesetzt werden, 
wirkt‘ natürlich der mit dem Neubau verbundenen Erhöhung der 
durchschnittlichen Produktivität entgegen. Im Aufschwungsjahre 1880, 
wo die Roheisenerzeugung von 2227000 bis auf 2729000 Tonnen stieg, 
ist die Zahl der Hochöfen in Betrieb von 210 bis 246 gestiegen und damit 
die durchschnittliche Produktivität sogar eine Kleinigkeit zurück- 
gegangen, nämlich von 12934 bis 12930 Tonnen. Sonst überwiegt 
wohl immer die Tendenz der Steigerung der Produktivität, aber diese
	        
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