108 Dreiundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
mocht hatte, hier dem Edelmann und daneben dem Bürger ge—
lang. Darnach erscheinen denn auch alle weiteren Unterschiede der
beiden Erhebungen gekennzeichnet: dort freiester Zuzug der
Einzelnen, hier Berufung durch die ständische Obrigkeit; dort
der Sandwirt Oberkommandant, hier Generalgouverneur der
Herr von NYorck; dort Gebirg und einsamer Pfad, Plänklerkrieg
und Toben ungebändigter Volkswut, hier Flachland, Organisation
und geordnete Kriegsführung: — dort Aufbrausen urzeitlicher
Energien mit einem schließlichen Verlauf ohne große Erfolge,
hier rasch-behutsame Sammlung aller Kraft unter moderner
Führung, zähes Aushalten, Krieg außer Landes bis zu den
Toren Leipzigs und darüber hinaus: und nie wieder zu be—
seitigende, weltgeschichtliche Errungenschaften.
Doch schon die ersten Erfolge der Erhebung Preußens
waren weitreichend und wunderbar. König Friedrich Wilhelm
sah sich durch die ferne Begeisterung seines Preußenvolkes von
jeglicher Linie seines bisherigen Verhaltens, ja selbst von seinem
bisherigen Aufenthalt abgedrängt. Nach dem Eindrucke der
sich drängenden Nachrichten auf französischer Seite mußte er
befürchten, daß Napoleon sich an seiner Person vergriffe; und
so verließ er, wenn auch mit Zustimmung Napoleons, Berlin.
Als er aber von dort her am 25. Januar in Breslau ankam und
ihn nun der Jubel des schlesischen Volkes, das seine Entfernung
aus Berlin als Kriegsentschluß deutete, empfing und ihm
gleichsam die preußischen Ereignisse in dem Bilde einer nicht
minder erhebenden Wiederholung nochmals vortrug, da ward
auch er an seiner bisherigen diplomatischen und militärischen
Stellungnahme irre; und vier Wochen später rang er sich, nach
langwierigem und hartem Kampfe, den vollsten und letzten
Entschluß ab, mit Frankreich zu brechen.
Es war zu einer Zeit, da er für einen solchen Entschluß
schon der Billigung sterreichs gewiß sein konnte, wenn auch
Kaiser Franz nicht an dem Kampfe gegen Napoleon teil⸗
nehmen wollte und einstweilen an der Vermittlerrolle, die ihm
Metternich zudiktiert hatte, festhielt. Und so kam es denn für
Preußen jetzt vor allem darauf an, zunächst mit Rußland