Die Spätromantik.
rao
oder „Archibald Douglas“: Stücke, welche alle Vorteile der
Komposition Loewes zeigen: die Zerlegung des Stoffes in eine
Art Liederreihe, ihre Unterbrechung durch rezitativartige Partien
und ihre Verbindung durch eine Begleitmusik, in der neben
symphonischem Charakter schon Spuren einer Musik des Leit⸗
motivs auftauchen.
Indes nicht eigentlich auf dem Gebiete der Ballade hat
ich das Lied fortentwickelt: zu sehr wies hier, vor allem in
comantischer Zeit, der epische Gehalt von den breiten Be—
ceichen des Stimmungsvollen hinweg. Es macht sich das nament⸗
lich auch in Loewes Musik geltend; zu oft schon hat sie etwas
Hartes, Realistisches und bewahrt darum auch strengere Form:
ein Moment, das sie nach rückwärts wiederum mit dem Klassi—
zismus und der Technik Zumsteegs verbindet.
In der Hauptströmung der Geschichte des Liedes waren es
aatürlich die großen Musiker der Romantik überhaupt, die Epoche
nachten: Weber, Mendelssohn, Schumann; und nur Franz
würde neben ihnen noch als ein Meister von vollster Eigenart
su nennen sein. Weber war dabei nicht so sehr der Held der
subjektiven als schon der objektiven Romantik; in keinem seiner
Lieder verleugnet sich seine allgemeine Stellung als größter
Komponist der romantischen Oper. Er nähert sich darum
ähnlich wie im Freischütz dem Volkston; und was in dessen
Liedern sangbar war seit Jahrhunderten, das lebt in ihm auf
und fort. Doch gelang ihm auch die Weiterbildung dieses
Tones in Anwendung auf moderne Verhältnisse: vor allem
die Kompositionen der Lieder aus Körners „Leier und Schwert“
heweisen es: wie lange haben sie, in den Chören der Männer—
gesangvereine pietätvoll gepflegt, wenn nicht die volle Stimmung,
so doch das Andenken der Freiheitskriege erhalten helfen.
Weicher, mehr auf das Bedürfnis des mittlerweile ganz ent—
vickelten Männergesanges eingestellt, ist die Kunst Mendels—
sohns: selbst seine schönsten Kompositionen, „Es ist bestimmt
n Gottes Rat“ oder „Wer hat dich, du schöner Wald“ be—
deuten nicht eigentlich mehr Sturm, sondern Dünung, stend
nehr anempfunden als erlebt. Sie waren darum auch nicht
Ldamprecht, Deutsche Geschichte. X.