Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
rao 
oder „Archibald Douglas“: Stücke, welche alle Vorteile der 
Komposition Loewes zeigen: die Zerlegung des Stoffes in eine 
Art Liederreihe, ihre Unterbrechung durch rezitativartige Partien 
und ihre Verbindung durch eine Begleitmusik, in der neben 
symphonischem Charakter schon Spuren einer Musik des Leit⸗ 
motivs auftauchen. 
Indes nicht eigentlich auf dem Gebiete der Ballade hat 
ich das Lied fortentwickelt: zu sehr wies hier, vor allem in 
comantischer Zeit, der epische Gehalt von den breiten Be— 
ceichen des Stimmungsvollen hinweg. Es macht sich das nament⸗ 
lich auch in Loewes Musik geltend; zu oft schon hat sie etwas 
Hartes, Realistisches und bewahrt darum auch strengere Form: 
ein Moment, das sie nach rückwärts wiederum mit dem Klassi— 
zismus und der Technik Zumsteegs verbindet. 
In der Hauptströmung der Geschichte des Liedes waren es 
aatürlich die großen Musiker der Romantik überhaupt, die Epoche 
nachten: Weber, Mendelssohn, Schumann; und nur Franz 
würde neben ihnen noch als ein Meister von vollster Eigenart 
su nennen sein. Weber war dabei nicht so sehr der Held der 
subjektiven als schon der objektiven Romantik; in keinem seiner 
Lieder verleugnet sich seine allgemeine Stellung als größter 
Komponist der romantischen Oper. Er nähert sich darum 
ähnlich wie im Freischütz dem Volkston; und was in dessen 
Liedern sangbar war seit Jahrhunderten, das lebt in ihm auf 
und fort. Doch gelang ihm auch die Weiterbildung dieses 
Tones in Anwendung auf moderne Verhältnisse: vor allem 
die Kompositionen der Lieder aus Körners „Leier und Schwert“ 
heweisen es: wie lange haben sie, in den Chören der Männer— 
gesangvereine pietätvoll gepflegt, wenn nicht die volle Stimmung, 
so doch das Andenken der Freiheitskriege erhalten helfen. 
Weicher, mehr auf das Bedürfnis des mittlerweile ganz ent— 
vickelten Männergesanges eingestellt, ist die Kunst Mendels— 
sohns: selbst seine schönsten Kompositionen, „Es ist bestimmt 
n Gottes Rat“ oder „Wer hat dich, du schöner Wald“ be— 
deuten nicht eigentlich mehr Sturm, sondern Dünung, stend 
nehr anempfunden als erlebt. Sie waren darum auch nicht 
Ldamprecht, Deutsche Geschichte. X.
	        
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