Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 141 
—A— 
der Wiesen zu Grau entstellen; er war von Natur in sich ge⸗— 
kehrt, schweigsam, verschlossen: früh schon überschattet von 
melancholischen Stimmungen. So wurde ihm zunächst, bei 
literarisch und musikalisch gleich starker Begabung, Jean Paul 
zum Herzensfreund; bis zum Verlust seiner selbst versenkte er 
sich in ihn: „er hat mich oft dem Wahnsinn nahe gebracht, 
aber der Regenbogen des Friedens schwebt immer sanft über 
allen Tränen und das Herz wird wunderbar erhoben und mild 
verklärt“. Neben Jean Paul war es, in sonderbarem Gegen— 
spiel, die blühende Melodik Schuberts, welche die Leipziger 
Studentenjahre Schumanns — er sollte Jurist werden — 
verschönte: er zuerst eigentlich hat den fast verhungert Ge— 
storbenen ganz gewürdigt. 
In den dreißiger Jahren des Jahrhunderts rang sich 
Schumann zur Musik als Lebensaufgabe durch; zunächst mehr 
literarisch, mehr aneignend; er versuchte sich als Klaviervirtuose, 
wobei er nur durch eine wahnwitzige anatomische Behandlung 
seiner Finger den Beruf verfehlte, und er begründete im Jahre 
1834 zu Leipzig die Zeitschrift für Musik. Es war ein früh— 
geborenes Gegenstück gleichsam zu dem um ein Jahrzehnt später 
entstandenen Konservatorium Mendelssohns: wollte dieser recht 
eigentlich konservieren, so drängte Schumann vorwärts. Da 
ging er und ging seine Zeitschrift, die bis in die vierziger 
Jahre von seinem Geiste beseelt war, mit der flachen Musik 
der Rossini und Bellini ins Gericht, da wetterte er gegen die 
Klaviermusik der Czerny und Hunten, gegen welche die Weber, 
Marschner, Chopin noch nicht aufgekommen waren, da prophe— 
zeite er die „Vorbereitung eines neuen poetischen Zeitalters“. 
Und hielt es bald für seine Aufgabe, dieses Zeitalter 
selbst mit heraufzuführen. Denn, ein zwiespältiger Charakter, 
war er traumhaft und schroff und vereinigte mit aller litera— 
rischen Kontemplation das leidenschaftliche Stürmen und die 
tiefe Ruhmessehnsucht des schaffenden Künstlers. 
Schumann hat die entwicklungsgeschichtliche Höhe seiner 
Kunst schon in den Klavierwerken der dreißiger Jahre und in
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.