Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Spätromantik. 
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befriedigenden Mystik. Da war denn der Gedanke an die 
nächsten Pflichten, an die nationalen Aufgaben, da war die 
Stärkung der Willenskraft überhaupt das Nächste, dessen man 
bedurfte; und eben die Vaterlandsdichtung reichte am frühesten 
den stählenden Trank. Aber leise drangen seine Wirkungen, 
drang überhaupt eine zwar noch nicht realistische, aber immerhin 
doch schon gegenständlichere Betrachtung von Gott und Welt 
ein, und die alte Romantik wurde gleichsam für Feierstunden 
aufgespart: 
Gönnt mir's, daß in linden Träumen 
Sehnsucht meinen Busen schwellt, 
Wenn nur in des Wachens Räumen 
Kraft und Mut die Zügel hält. 
(F. de la Motte Fouqué.) 
Es sind die Gefühle, unter denen die frühromantische 
Lyrik leise abgeblüht ist: 
Lieder nicht — nur leife Klänge 
Aus dem Reich der Phantasie. 
Daß ein fühlend Herz sie sänge. 
(Dilia Helena.) 
Und so lassen sich späterhin wohl noch gelegentliche Er— 
innerungen an die alte Weise vernehmen; aber sie sind so— 
zusagen persönlicher Natur; sie gehören vereinzelten Dichtern 
besonderer Art an, unter denen vielleicht Hoffmann am meisten 
hervorragt und sicherlich am meisten fesselt. Aber freilich ver⸗ 
schlingt sich bei ihm die alte Romantik eben in seinen besten 
Gedichten schon mit starken Vorahnungen jenes zukünftigen 
Impressionismus, der die zweite Veriode des Subjektivismus 
charakterisieren sollte: 
Ein Flüstern, Rauschen, Klingen 
Geht durch den Frühlingshain. 
Fängt wie mit Liebeschlingen 
Geist. Sinn und Leben ein. 
Säng' ich es nach, was leise 
Solch stilles Leben spricht, 
So schien aus meiner Weise 
Das ew'ge Liebeslicht. 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. X.
	        
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